Steven Spielberg &Tom Hanks Benjamin on 07 Okt 2007 05:54 am

Terminal (Steven Spielberg, USA 2004)

Es klingt eigentlich wie eine typische Hollywoodgeschichte. Im Heimatland von Viktor Navorski (Tom Hanks) Krakozhia gab es während seines Fluges in die USA einen Militärputsch. Die neue Regierung wird von den USA nicht anerkannt, wodurch sein Pass ungültig wird, er aber auch nicht die Voraussetzung eines Flüchtlings oder politisch Verfolgten erfüllt. Die Einreise in die USA wird ihm verwehrt, ohne Pass kann er aber auch nicht ausreisen. Somit sitzt er auf dem Flughafen fest, den er nicht verlassen darf.
Tatsächlich hat die Geschichte ein reales Vorbild. Der Iraner Merhan Karimi Nasseri lebte vom 26.08.1988 bis August 2006 auf dem Charles de Gaulle Flughafen in Frankreich. Er war aus dem Iran geflohen, jedoch in mehreren europäischen Ländern abgewiesen. Nachdem ihm seine Papiere gestohlen wurden, stand er irgendwann ohne Pass da und strandete in Frankreich, in Brüssel hätte er neue Dokumente bekommen können, jedoch musste er sie sich persönlich abholen, um Verwechslungen auszuschließen, ohne Pass durfte er aber nicht aus Frankreich ausreisen. Im Gegensatz zu Navroski im Film war Nasseri an seiner Lage teilweise selbst schuld.

Doch was auch immer dahinter steckt, es ist letztlich erschreckend zu sehen, welchen Einfluß so ein Stück Papier auf ein Leben haben kann. Dass man in einem zivilisierten Land gezwungen wird, sein Leben auf einem Flughafen zu verbringen, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Sicher kein Kompliment für die Bürokratie.

So ist auch die erste Stunde des Films seine stärkste. Hier wird Viktors Ankunft gezeigt. Man sieht, wie er lernt sich mit der Situation zu arrangieren und wie er seinen Alltag auf dem Flughafen letzlich meistert, und ein den Umständen entsprechend normales Leben führt. Diese Szenen sind interessant, witzig und Tom Hanks kann den Charakter hier einigermaßen gut ausleuchten.

Doch in der zweiten Stunde verliert der Film deutlich an Qualität. Die  Liebesgeschichte um Cathrin Zeta-Jones ist wirklich vollkommen überflüssig. Hätte man sie gestrichen und den Film dadurch 20 Minuten gekürzt hätte man unterm Strich mehr gehabt. Sie spielt eine Flugbegleiterin, die schon seit Jahren die geliebte eines verheirateten Mannes ist, und sich wie ein kleines Dummchen von ihm ausnutzen lässt und treudoof jede Minute darauf wartet, dass er sie anruft und sagt, dass er seine Frau verlässt und mit ihr zusammen sein will. Ein selten dämlicher Charakter, der nicht wirklich in die Story und schon gar nicht zu Viktor passt. Das passt einfach nicht zum vorherigen und war auch vor drei Jahren der Grund dafür, warum ich den Film ingesamt nicht gut fand, da mir der starke Anfang nicht mehr so präsent war.
Kann man das Verhalten des Abteilungsleiters in der ersten Hälfte noch gut nachvollziehen, so wird er in der zweiten Hälfte grundlos zum richtig bösen Bad Boy, was nicht nachvollziehbar ist und stört, zumal er eigentlich ja erreicht hat, was er wollte, ein wenig Menschlichkeit hätte ihm sicher besser zu Gesicht gestanden.
Und letztlich versagt das Ende. Der ganze Film spielt ihm Flughafen, der Film hätte den Flughafen nie verlassen dürfen. Die Szene im Jazzclub ist überflüssig und passt nicht zum Film, man hätte einfach zeigen sollen, wie Viktor den Flughafen verlässt, ins Taxi steigt, abfährt und dann abblenden. Das wäre ein angemessenes Ende gewesen.

Manche Leute haben sich über übermäßiges Produktplacement beschwert, aber wer sich ernsthaft darüber beschwert, dass es auf einem Flughafen einen Burger King oder ein McDonalds und andere bekannte Ketten und unternehmen gibt, der scheint nicht oft zu fliegen und etwas fern ab der Realität zu leben.

Unterm Strich erzählt Spielberg eine Interessante mit guten Ansätzen, versucht sie aber zu sehr auf Hollywood zu trimmen, baut eine obligatorische Liebesgeschichte ein und versemmelt den Schluß, so dass Terminal unterm Strich ein sicher interessanter, aber kein guter Film ist.

Trackback This Post | Subscribe to the comments through RSS Feed

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

kostenloser Counter