Uncategorized Benjamin on 08 Okt 2007 12:38 am
Vom Winde verweht (Victor Fleming, USA 1939)
Tja also ich weiß auch nicht. Vom Winde verweht ist ein Südstaatenmonumentalepos das mit vielen Superlativen verbunden ist. Inflationär gerechnet ist er der mit umgerechnet ca. 4 Mrd. $ Einnahmen (Stand 2005) der mit Abstand erfolgreichste Film aller Zeiten. Auch bei den Ticketverkäufen an sich schlägt er Titanic, Star Wars und Der weiße Hai. Solche Aufreihungen sind beeindruckend, aber noch beeindruckender wirds, wenn man sich vor Augen hält, das Amerika 1939 nur fast halb so viele Einwohner hatte, wie zu Zeiten von Titanic.
Der Film hat seinerzeit also ordentlich Wirbel gemacht. Da er auf einem Roman basiert, der wenige Jahre zuvor mitten in der Depression erschienen ist, welcher genau den Nerv der damaligen Zeit traf, hat die Suche nach den Hauptdarstellern, allen voran nach der Darstellerin der Scarlett O’Hara ein Ausmaß angenommen, dass es in der Form seitdem wohl nicht mehr gegeben hat, auch wenn Hitchcock sich einen Spass daraus machte, dass er für bekannt gab, die Rolle der Mutter von Norman Bates casten zu wollen.
Mit fast vier Stunden Laufzeit ist er der längste Film der je einen Oscar gewonnen hat. Die unterschiedlichen Laufzeiten die man so findet von 222 Minuten bis 238 hängen nur mit der Overtüre, dem Intermezzo und der Ende zusammen, diese rein musikalischen Untermalungen wurden bei späteren Kinovorführungen einfach weggelassen. Einen Director’s Cut oder ähnliches gab es nie, der Film lief nie in einer geschnittenen Fassung.
Der Film selbst ist für mich persönlich allerdings kein superlativ, sondern mehr ein Beziehungsdrama vor historischem Hintergrund, welches auf Grund seiner literarischen Vorlage auf vier Stunden ausgebreitet wurde, und für Fans des Buches sicher auch noch zwei Stunden länger dauern dürfte. Ehrlich gesagt hat mich die Umsetzung mal wieder so kalt gelassen, dass ich meine Aufmerksamkeit sehr schnell den Recherchen nach Hintergründen zum Film gewidmet habe, und ihn selbst nur nebenbei gesehen habe. Am Ende hab ich mir das berühmte Zitat “Frankly my dear, i don’t give a damn”, welches vom AFI ja immerhin zum Zitat Nr. 1 gewählt worden ist, angesehen und beschlossen, den Film irgendwann noch einmal etwas aufmerksamer und im O-Ton zu sehen. Immerhin zu gute halten muss man den Film, dass er kein Happy End hat, was bei einem so archetypisch konstruierten Film, der einzig auf Erfolg an den Kinokassen angelegt war, gerade zu dieser Zeit Hollywoods und nach so einer Laufzeit doch sehr untypisch ist. Aber vermutlich ist gerade dieses Non-Happy-End der Grund dafür, dass der Film auf viele Leute so eine Wirkung hat, denn ein klassisches Happy End hätte man sehr schnell vergessen und verdrängt. Aber ein nicht alltägliches Bad-End hängt doch länger nach. Alles in allem auf jeden Fall sehenswert, empfehlenswerterweise im O-Ton, für mich aber nicht das Meisterwerk zu dem es oftmals stilisiert wird und auf gar keinen Fall der beste Film aller Zeiten, auch wenn er für seine Zeit Maßstäbe setze.
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