Monthly Archive for "Oktober 2007"



Uncategorized Benjamin on 08 Okt 2007

Vom Winde verweht (Victor Fleming, USA 1939)

Tja also ich weiß auch nicht. Vom Winde verweht ist ein Südstaatenmonumentalepos das mit vielen Superlativen verbunden ist. Inflationär gerechnet ist er der mit umgerechnet ca. 4 Mrd. $ Einnahmen (Stand 2005) der mit Abstand erfolgreichste Film aller Zeiten. Auch bei den Ticketverkäufen an sich schlägt er Titanic, Star Wars und Der weiße Hai. Solche Aufreihungen sind beeindruckend, aber noch beeindruckender wirds, wenn man sich vor Augen hält, das Amerika 1939 nur fast halb so viele Einwohner hatte, wie zu Zeiten von Titanic.
Der Film hat seinerzeit also ordentlich Wirbel gemacht. Da er auf einem Roman basiert, der wenige Jahre zuvor mitten in der Depression erschienen ist, welcher genau den Nerv der damaligen Zeit traf, hat die Suche nach den Hauptdarstellern, allen voran nach der Darstellerin der Scarlett O’Hara ein Ausmaß angenommen, dass es in der Form seitdem wohl nicht mehr gegeben hat, auch wenn Hitchcock sich einen Spass daraus machte, dass er für bekannt gab, die Rolle der Mutter von Norman Bates casten zu wollen.
Mit fast vier Stunden Laufzeit ist er der längste Film der je einen Oscar gewonnen hat. Die unterschiedlichen Laufzeiten die man so findet von 222 Minuten bis 238 hängen nur mit der Overtüre, dem Intermezzo und der Ende zusammen, diese rein musikalischen Untermalungen wurden bei späteren Kinovorführungen einfach weggelassen. Einen Director’s Cut oder ähnliches gab es nie, der Film lief nie in einer geschnittenen Fassung.

Der Film selbst ist für mich persönlich allerdings kein superlativ, sondern mehr ein Beziehungsdrama vor historischem Hintergrund, welches auf Grund seiner literarischen Vorlage auf vier Stunden ausgebreitet wurde, und für Fans des Buches sicher auch noch zwei Stunden länger dauern dürfte.  Ehrlich gesagt hat mich die Umsetzung mal wieder so kalt gelassen, dass ich meine Aufmerksamkeit sehr schnell den Recherchen nach Hintergründen zum Film gewidmet habe, und ihn selbst nur nebenbei gesehen habe. Am Ende hab ich mir das berühmte Zitat “Frankly my dear, i don’t give a damn”, welches vom AFI ja immerhin zum Zitat Nr. 1 gewählt worden ist, angesehen und beschlossen, den Film irgendwann noch einmal etwas aufmerksamer und im O-Ton zu sehen. Immerhin zu gute halten muss man den Film, dass er kein Happy End hat, was bei einem so archetypisch konstruierten Film, der einzig auf Erfolg an den Kinokassen angelegt war, gerade zu dieser Zeit Hollywoods und nach so einer Laufzeit doch sehr untypisch ist. Aber vermutlich ist gerade dieses Non-Happy-End der Grund dafür, dass der Film auf viele Leute so eine Wirkung hat, denn ein klassisches Happy End hätte man sehr schnell vergessen und verdrängt. Aber ein nicht alltägliches Bad-End hängt doch länger nach. Alles in allem auf jeden Fall sehenswert, empfehlenswerterweise im O-Ton, für mich aber nicht das Meisterwerk zu dem es oftmals stilisiert wird und auf gar keinen Fall der beste Film aller Zeiten, auch wenn er für seine Zeit Maßstäbe setze.

Uncategorized Benjamin on 08 Okt 2007

Lolita (Adrian Lyne, USA/Frankreich 1997)

Tja, so kann’s gehen, wenn man nicht genau hinkuckt. Zum einen in der Videothek, zum anderen bei den Credits im Film selbst. So dachte ich doch hier Kubricks Version der Romanverfilmung zu sehen. Natürlich hab ich mich gewundert, ob Jeremy Irons wirklich schon so alt ist, und dass er sich ja über die Jahre deutlich verändert hat, aber irgendwie hat’s nicht klickt gemacht.

Ich habe mich die ganze Zeit während des Films gefragt, ob so eine Darstellung von Pädophilie seine Daseinsberechtigung haben kann, habe mich dann aber hinterher darüber belehrt, dass man im Falle von “Lolitas” nicht von Pädophilen spricht, sondern von Parthenophilie, womit Männer bezeichnet werden, die starkes Interesse an Mädchen zeigen, die sich gerade in der (einsetzenden) Pubertät befinden, also durchaus auch schon von sich aus an Sexualität interessiert sind. Medizinisch ist dies klar von der Pädophilie abzugrenzen und gilt auch nicht als Verhaltensstörung. Das beruhigt mich, da ich während des Films durchaus Mitleid mit Jeremy Irons Charakter hatte.

Mit 14 Jahren war er das erste Mal schwer verliebt, hatte seine erste Freundin, erste sexuelle Erfahrungen, doch auf dem Climax dieses Höhenfluges starb seine große Liebe an Typhus. Diesen Verlust konnte er scheinbar nie richtig überwinden.
Einige Jahrzehnte später ist er mittlerweile Professor geworden und wohnt den Sommer über im Gästezimmer der Witwe Haze. Von deren Tochter Dolores “Lolita” Haze ist er von der ersten Sekunde angetan und heiratet sogar schließlich ihre Mutter, nur um dauerhaft in Lolitas Nähe zu sein. Doch eines Tages entdeckt seine Frau seine Tagebücher und ist entsetzt, kommt aber kurze Zeit später um, so dass Humbert (Irons) jetzt Lolitas Vater und für sie verantwortlich ist. Die beiden beginnen eine eindeutig sexuelle Beziehung, wissen zwar, dass dies nicht an die Öffentlichkeit gelangen darf, gehen untereinander aber sehr offen damit um. Trotz dieses sexuellen Ebene ist die Beziehung aber auch von normalen Vater-Tochter-Konflikten geprägt, die Humbert naturgemäß meistens verliert. Nach einiger Zeit wird Lolita von einem anderen Parenthopilen entführt und Humbert begibt sich auf die jahrelange, erfolglose Suche nach seiner zweiten großen Liebe, die er unendlich vermißt. Nach einigen Jahren erreicht ihn ein Brief von Dolores. Sie ist mittlerweile verheiratet und erwartet ein Kind. Er besucht sie, in der Hoffnung, sie dazu überreden zu können, wieder mit ihm mitzugehen, aber sie möchte nicht. Humbert zerbricht daran und tötet schließlich ihren Entführer, der dafür verantwortlich ist, dass Lolita nicht mehr Teil seines Lebens ist.

Die beiden Hauptdarsteller des Films überzeugen auf ganzer Linie. Jeremy Irons stattet seinen Charakter mit viel Tragik und Emotionalität aus. Man leidet mit ihm mit, da man das was er durchmacht, nachvollziehen kann, zumindest wenn man es auf die Bedeutung der ersten bzw. zweiten große Liebe bezieht. Er übt sich einer sehr ruhigen, zurückgezogenen Darstellung und man nimmt ihm jederzeit ab, voll in der Hand Lolitas zu sein. Diese wird exzellent von der damals 17 jährigen Dominque Swain verkörpert, der man sowohl durch Körpersprache als auch durch ihr Verhalten die Rolle des gerade in die Pubertät gekommenen Mädchens absolut abnimmt.

Lediglich die Story schwächelt gerade gegen Ende hin sehr. Die beziehung der beiden wird im Film nicht wie im Roman zwanghaft und durch gewalt geprägt beschrieben, sondern auf gegenseitigem Wollen. Man (zumindest ich) versteht am Ende nicht, warum Lolita nicht versucht hat Humbert wiederzufinden, und wieso sie nicht wieder zu ihm zurückkehrt, wo sie doch selbst wenige Sätze vorher sagt, dass sie auch in der Zeit kurz nach ihrem Verschwinden eigentlich immer nur mit Humbert zusammen sein wollte.

So bleibt unterm Strich eine recht gute Literaturverfilmung (wobei ich weder Roman noch Kubricks Vorbild kenne) mit sehr guten, überzeugenden Darstellern, einer guten Ausstattung, sehr viel Feingefühl in der Darstellung mit allerdings schwächen im Plot. Ich werde mir wohl demnächst dann Kubricks Version des Films ansehen müssen, um vergleichen zu können.

Uncategorized Benjamin on 07 Okt 2007

Titan A. E. (Don Bluth/Gary Goldman/Art Vitello, USA 2000)

Man sollte doch manchmal einfach darauf hören was andere sagen. Auf Titan A. E. trifft dies alles zu. Der Film besticht durch wunderschöne Hintergrundbilder, die Planeten, Umgebungen, alles wunderschön animiniert. Das ist auch schon das einzig positive an dem Film. Die Figuren selbst sind hangezeichnet und wirken in ihren Bewegungen sehr unnatürlich und erinnern eher an 80er Jahre Zeichentrickserien die früher bei Bim Bam Bino auf Tele 5 liefen. Genau so nervig sind die Charaktere selbst,  man findet keinen wirklichen Symphathieträger dabei. Ihre Entwicklungen sind auch höchsten auf Kinderbuchniveau und mehr als klischeehaft, alles in allem sehr unmotiviert. Dementsprechend ist auch die Geschichte. Die Erde wurde von einem außerirdischen Volk zerstört, nur ein paar wenige konnten überleben und sind heute im Universum verstreut. Der Vater des Hauptcharakters konnte mit dem fortschrittlichen Raumschiff Titan A. E. fliehen, welches die Zukunft der Menschheit darstellt, aber verschollen ist. Und so beginnt die Suche nach dem Vater und damit der Titan, begleitet von den üblichen Hindernissen. Wirklich ein nicht sehenswerter Film, dessen gesamte Story man auch in einer 22 minuten Folge irgendeiner x-beliebigen Sci-Fi-Anime-Serie unterbringen hätte können. Kein Wunder, dass Fox’ Zeichentrickstudio nach diesem 75 Millionenflop geschlossen wurde.

Steven Spielberg &Tom Hanks Benjamin on 07 Okt 2007

Terminal (Steven Spielberg, USA 2004)

Es klingt eigentlich wie eine typische Hollywoodgeschichte. Im Heimatland von Viktor Navorski (Tom Hanks) Krakozhia gab es während seines Fluges in die USA einen Militärputsch. Die neue Regierung wird von den USA nicht anerkannt, wodurch sein Pass ungültig wird, er aber auch nicht die Voraussetzung eines Flüchtlings oder politisch Verfolgten erfüllt. Die Einreise in die USA wird ihm verwehrt, ohne Pass kann er aber auch nicht ausreisen. Somit sitzt er auf dem Flughafen fest, den er nicht verlassen darf.
Tatsächlich hat die Geschichte ein reales Vorbild. Der Iraner Merhan Karimi Nasseri lebte vom 26.08.1988 bis August 2006 auf dem Charles de Gaulle Flughafen in Frankreich. Er war aus dem Iran geflohen, jedoch in mehreren europäischen Ländern abgewiesen. Nachdem ihm seine Papiere gestohlen wurden, stand er irgendwann ohne Pass da und strandete in Frankreich, in Brüssel hätte er neue Dokumente bekommen können, jedoch musste er sie sich persönlich abholen, um Verwechslungen auszuschließen, ohne Pass durfte er aber nicht aus Frankreich ausreisen. Im Gegensatz zu Navroski im Film war Nasseri an seiner Lage teilweise selbst schuld.

Doch was auch immer dahinter steckt, es ist letztlich erschreckend zu sehen, welchen Einfluß so ein Stück Papier auf ein Leben haben kann. Dass man in einem zivilisierten Land gezwungen wird, sein Leben auf einem Flughafen zu verbringen, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Sicher kein Kompliment für die Bürokratie.

So ist auch die erste Stunde des Films seine stärkste. Hier wird Viktors Ankunft gezeigt. Man sieht, wie er lernt sich mit der Situation zu arrangieren und wie er seinen Alltag auf dem Flughafen letzlich meistert, und ein den Umständen entsprechend normales Leben führt. Diese Szenen sind interessant, witzig und Tom Hanks kann den Charakter hier einigermaßen gut ausleuchten.

Doch in der zweiten Stunde verliert der Film deutlich an Qualität. Die  Liebesgeschichte um Cathrin Zeta-Jones ist wirklich vollkommen überflüssig. Hätte man sie gestrichen und den Film dadurch 20 Minuten gekürzt hätte man unterm Strich mehr gehabt. Sie spielt eine Flugbegleiterin, die schon seit Jahren die geliebte eines verheirateten Mannes ist, und sich wie ein kleines Dummchen von ihm ausnutzen lässt und treudoof jede Minute darauf wartet, dass er sie anruft und sagt, dass er seine Frau verlässt und mit ihr zusammen sein will. Ein selten dämlicher Charakter, der nicht wirklich in die Story und schon gar nicht zu Viktor passt. Das passt einfach nicht zum vorherigen und war auch vor drei Jahren der Grund dafür, warum ich den Film ingesamt nicht gut fand, da mir der starke Anfang nicht mehr so präsent war.
Kann man das Verhalten des Abteilungsleiters in der ersten Hälfte noch gut nachvollziehen, so wird er in der zweiten Hälfte grundlos zum richtig bösen Bad Boy, was nicht nachvollziehbar ist und stört, zumal er eigentlich ja erreicht hat, was er wollte, ein wenig Menschlichkeit hätte ihm sicher besser zu Gesicht gestanden.
Und letztlich versagt das Ende. Der ganze Film spielt ihm Flughafen, der Film hätte den Flughafen nie verlassen dürfen. Die Szene im Jazzclub ist überflüssig und passt nicht zum Film, man hätte einfach zeigen sollen, wie Viktor den Flughafen verlässt, ins Taxi steigt, abfährt und dann abblenden. Das wäre ein angemessenes Ende gewesen.

Manche Leute haben sich über übermäßiges Produktplacement beschwert, aber wer sich ernsthaft darüber beschwert, dass es auf einem Flughafen einen Burger King oder ein McDonalds und andere bekannte Ketten und unternehmen gibt, der scheint nicht oft zu fliegen und etwas fern ab der Realität zu leben.

Unterm Strich erzählt Spielberg eine Interessante mit guten Ansätzen, versucht sie aber zu sehr auf Hollywood zu trimmen, baut eine obligatorische Liebesgeschichte ein und versemmelt den Schluß, so dass Terminal unterm Strich ein sicher interessanter, aber kein guter Film ist.

Uncategorized Benjamin on 07 Okt 2007

Wer klopft da an meine Tür? (Martin Scorsese, USA 1967)

Erstlingswerk des damaligen Filmstudenten Martin Scorsese. Dementsprechend gab es ständige Finanzierungsschwierigkeiten, die dafür sorgten, dass der Dreh insgesamt drei Jahre dauerte. Haupdarsteller Harvey Keitel war damals auch noch Hauptberuflich Gerichtsschreiber. Die Handlung des Films ist recht simpel. Ein streng gläubiger Katholik (Keitel) verliebt sich in eine sexuell erfahrene junge Frau. Irgendwann beschließt er sie zu heiraten, doch dann erzählt sie ihm, dass sie früher einmal vergewaltigt wurde. Keitel hat besonders auf Grund seiner religiösen Prägung Probleme mit dieser Vorgeschichte und erschweren ihm sein Vorhaben sie zu heiraten.

Angesiedelt ist die Geschichte im italienischen Viertel New Yorks, ein frühes Markenzeichen von Scorsesefilmen, ebenso wie die religiösen Motive, die zur Gestaltung der Charaktere beitragen. Hier verarbeitet Scorsese wohl autobiographisches. Im Nachhinein betrachtet nimmt der Film schon viel von Scorseses späteren Werken in Ansätzen vorweg, aber dass der junge Mann einmal Filme wie Taxi Driver oder Raging Bull hervorbringt, ist noch nicht wirklich absehbar. Actionsequenzen gibt es eigentlich gar keine, in dem Film wird sehr viel geredet. Und dennoch hat er seine stärksten Momente, wenn kein Wort gesprochen wird und Scorsese uns einfach nur die Personen bei ihrem Handeln zeigt, kombiniert mit zeitgenössischer Musik, dynamischen Kamerafahrten und schnittreichen, aber auch schnittlosen Sequenzen. In diesen Momenten ist man den Personen sehr viel näher, als wenn sie einem mit Worten ihr Innerstes offenbaren. Kein wirklich herausragender Film, von einem Meisterwerk meilenweit entfernt und wohl nur für Film- und Scorsesefans wirklich wertvoll. Aber dennoch ist es interessant, dieses Frühwerk des späteren Altmeisters einmal gesehen zu haben.

Uncategorized Benjamin on 06 Okt 2007

Amadeus – Director’s Cut (Milos Forman, USA/Tschechoslowakei 1984)

Nachdem mich Klang der Stille seinerzeit schon schwer begeistert hat, war ich recht neugierig auf Amadeus und gestern habe ich ihn mir endlich ausgeliehen. Und vorweggenommen kann ich sagen, dass mir Amadeus mindestens genau so gut gefallen hat, wie Klang der Stille, wenn gleich er auch ganz anders ist und wirkt.

Der Film basiert auf einem Theaterstück aus dem Jahr 1979 und nimmt Mozarts Leben und Ereignisse daraus als Grundlage. Forman versucht nicht, Mozarts Leben realistisch wiederzugeben, sondern seinem Genie Tribut zu zollen. Das hat zur Folge, dass das Leitthema des Films, der Konflikt zwischen Mozart und Salieri in der gezeigten Form nie existiert hat.
Das Konzept dieser Zwiespältigkeit zieht sich durch den ganzen Film. So ist von den handelnden Personen Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt von Tom Hulce eigentlich nur Nebendarsteller, und wäre er in dieser Kategorie auch nominiert worden, so hätte der Film sicher neun statt acht Oscars gewonnen. Der Hauptdarsteller ist Antonio Saleria, absolut genial verkörpert von F. Murray Abraham, der für seine Leistung im direkten Vergleich mit Tom Hulce mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.
Salieri erzählt in Rückblenden einem Priester von dem Teil seines Lebens, in dem er in Konkurrenz zu Mozart stand. Die Konkurrenz ist aber mehr ein inneres Empfinden von Salieri, da er zwar Zeit seines Lebens höhere Stellungen und Ämter inne hatte als Mozart und auch ein größeres Ansehen genoss, er aber einer der wenigen seiner Zeit war, der das volle Genie Mozarts erkannte und wusste, dass Mozarts Fähigkeiten die eigenen weit übertreffen. Er empfindet es als Strafe Gottes, dass er Salierie mit dieser abgöttischen Liebe zur Musik ausstaffiert hat, und ihm dann Mozart schickt, der in seinem musikalischen Genie das verkörpert, was Salieri nie erreichen kann.
Dazu kommt noch, dass sich das Genie Mozarts nahe zu ausschließlich auf die Musik begrenzt.  Ansonsten ist ein ungezogener Flegel, der auch mit 30 noch wie ein Lausbub wirkt und ewig kichernd durch die Gemäuer der Wiener Opernhäuser läuft. Gerade dieses ständige gekichere und alberne mag einige an der Darstellung Mozarts in diesem Film stören, es verstärkt aber auch gleichzeitig die Zwiespältigkeit zwischen der Person Mozart und seinem musikalischen Genie und verstärkt Salieris Mißgunst gegenüber Mozart.

Salieri lässt keine einzige Aufführung von Mozarts Opern aus, selbst als sie nicht mehr in den kaiserlichen Opernhäusern sondern in einer kleinbürglichen Oper stattfinden. Er ist absolut zwiegespalten vor Bewunderung und Anerkennung von Mozarts Talent und dem Neid auf ihm, auf Grund dessen er seinen Einfluss am Hof geltend macht und zahlreiche von Mozarts Meisterwerken nach wenigen Aufführungen  absetzen lässt und auch dafür sorgt, dass er keine Anstellung als Musiklehrer bleibt und so Zeit seines Lebens in armen Verhältnissen Leben muss. Schließlich beauftragt er Salieri Mozart inkognito mit dem Schreiben eines Totenrequiems, welches er auf Mozarts Beerdigung spielen will, nachdem er ihn ermordert hat.

Das Prag der frühen 80er Jahre bot die perfekte Kulisse für Amadeus.  Dank des sozialistischen Regimes gab es hier keine großen Werbetafeln, elektrische Reklame oder große Antennen auf den Dächern, so dass man einen 360° Kameraschwenk an einem Orginalschauplatz machen konnte, ohne auf irgend etwas Modernes zu stoßen. Das hatte zur Folge, dass gerade mal drei Sets für den Film gebaut werden mussten. Mozarts Apartment, Saleris Gastzimmer und der kaiserliche Opernsaal.
Hulce trainierte vier Stunden lang täglich, um die Klavierstücke glaubhaft rüberzubringen. Die Stücke liefen dann im Off während die Szene gedreht wurde und Hulce simulierte die Bewegungen am Klavier. Hinterher haben sich ein paar Musikwissenschaftler mit dem Film auseinander gesetzt und sind zu dem Ergebniss gekommen, dass jede einzelne Tastenbewegung die man auf dem Bildschirm sieht, zu dem entsprechenden Musiksstück passt, den man gerade hört. Hulce hätte also einfach auch selbst spielen können.

Ein grandioser Film, der einen in der zweiten Filmhälfte mit vier Opern Mozarts nahezu erschlägt. Der Director’s Cut ist gut 20 Minuten länger und enthält vor allem Szenen, die sich mit dem Verhältnis von Salieri zu Mozarts Frau beschäftigen. Salieri begehrte Mozarts Frauen ebenfalls und war außer sich, als dieser Flegel diese Schönheit heiratete. Auch auf dieser Ebene gab es einen stillen Konflikt zwischen den beiden, der, wie alle Konflikte allerdings einseitig von Salieri ausging. Mozart ahnte nichts von ihnen und war sich auch der tiefen Anerkennung die Salieri für seine Werke hegte nicht bewußt. Der Film ist erstaunlich sachlich insziniert, ohne groß auf hollywoodlike gemäße Gefühlsmomente zu setzen, daher halte ich die Bezeichnung Oscarstreifen, der für einen Film steht, der einfach speziell darauf ausgerichtet wurde, möglichst viele Oscars durch eine dementsprechende Inszenierung zu erhalten, auch für falsch. Der Film hat es einfach verdient. Seine emotionalen Momente bezieht der Film fast ausschließlich aus Mozarts Musik, die auch den überwiegenden Anteil des Filmsoundtracks ausmacht.

Humphrey Bogart &John Huston &Kathrin Hepburn Benjamin on 06 Okt 2007

African Queen (John Huston, USA 1951)

Klasse Abenteuerfilm aus den 50ern mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn in den Hauptrollen. Und in der Tat sieht man eigentlich den ganzen Film über nur die beiden, wie sie auf Bogarts 30 Jahre altem Dampfer “African Queen” einen Fluss befahren. Ihr Ziel ist der See am Ende des Flusses, auf dem ein deutsches Kriegsschiff patroulliert, welches die beiden versenken wollen, in dem sie die African Queen zu einem Torpedo umbauen, das deutsche Schiff rammen und versenken.

Die beiden bilden eine Zweckgemeinschaft, das Eingeborenendorf, in dem Hepburn und ihr Bruder eine Mission unterhalten haben, wurde überfallen und so musste Bogart sie mitnehmen. Er ist ein alter Haudegen, der seinen Gin genießt und die Freiheit auf seinem Schiff genießt, während sie eine alte, leicht biedere Jungfer ist. Die Szenen zwischen den beiden sind grandios und der eigentliche Hauptgrund den Film zu kucken. Die Wandlung von Fremden, die eigentlich vollkommen gegensätzlich sind, hin zu Freunden, die über ihre Kräfte hinauswachsen und gemeinsam ein Abenteuer bestreitet, hin zum Liebespaar, dass gemeinsam dem Tod ins Auge sieht, ist wirklich gelungen. Ob Bogart nun gerade für diese Rolle seinen einzigen Oscar verdient hat, sei dahingestellt. Ich kenn die Konkurrenz aus dem Jahr nicht, aber seine Leistung und dass zusammenspiel mit der Rekordoskargewinnerin Hepburn rechtfertigen ihn auf jeden Fall.

Ein wunderschöner Klassiker, bei dem man von Afrika selbst leider recht wenig sieht, da sich der ganze Film eigentlich auf dem Fluss abspielt. Die paar Actionszenen sind recht gelungen, jedoch aus heutiger Sicht sind gerade die Szenen mit den Stromschnellen sehr amateurhaft. Man sieht doch nur allzudeutlich, dass da Modellschiffe eingesetzt wurden, man muss nur mal die Felsen im Flußbett in Relation zum Schiff setzenl, dass müssten dann halbe Berge sein. Aber davon ab ein wirklich sehenswerter und eigentlich in allen belangen ausgezeichneter Film, der trotz seines hohen Alters absolut sehenswert ist. Wo bekommt man heutzutage noch eine funktioniernden Liebesabenteuerfilm geboten mit ausgezeichneten Schauspielern geboten? Nirgends.

Uncategorized Benjamin on 06 Okt 2007

Babylon 5 – Vergessene Legenden (J. Michael Straczynski / Sara Barnes, USA 2007)

Die Freude war ja recht groß, als ich heute in der Videothek Babylon 5- Die Vergessenen Legenden gesehen habe. Irgendwo, ich glaub in Bekays Blog hatte ich davon gelesen, und noch so grob im Kopf, dass es einige weitere Babylon 5 Folgen mit einigen von der Orignalcrew geben sollte, die dann in regelmäßigen Abständen veröffentlich werden. Ich hatte mir dabei wohl  eine Art Miniserie vorgestellt. Leider ist dem nicht so.

Auf der DVD Stimmen aus dem Dunkel sind zwei Folgen: Stimmen aus der Vergangenheit und Stimmen aus der Zukunft. Die erste spielt zwar auf Babylon 5, hat aber ansonsten absolut nichts mit der Serie zu tun. Ein Besatzungsmitglied von Babylon 5 ist angeblich vom Teufel besessen. Ein Geistlicher kommt auf die Station um gemeinsam mit dem Colonell zu beratschlagen, wie vorzugehen ist, und ob überhaupt eine Besessenheit vorliegt.  Die Story an sich ist dabei meiner Meinung nach hochgradig interessant und stellt die Frage, ob die Menschheit noch einen Gott braucht bzw. an ihn glauben kann, nachdem sie ins Universum aufgebrochen ist und dort nichts göttliches gefunden hat. Das sind interessante Fragen, gerade in Bezug auf die Serie. Aber mit der Serie selbst hat es rein gar nichts zu tun. Keine der drei Personen gehört zur alten Crew, es sind allesamt neue Gesichter die wir sehen, und wir sehen auch 35 Minuten lang nur karge Räume, einzig ein brennender Flammenkranz um Babylon 5 erlöst uns aus dieser Trostlosigkeit. Ansonsten wird nur geredet. Und da sowohl die Geschichet als auch die handelnden Personen keinen Bezug zur Serie haben ist das ziemlich langweilig und äußerst enttäuschend.

Die zweite Folge  gibt da schon mehr Anlass zur Hoffnung, schließlich ist jetzt John Sheridan die Hauptperson. Ein Technomagier zeigt ihm eine Vision der Zukunft in dem die Erde in 30 Jahren von den Centauri zerstört wird. Verantwortlich dafür ist ein heute junger Thronfolger, den Sheridan zu den 10 Jahres Feierlichkeiten der Interstellaren Allianz begleitet. Der Technomagier sagt Sheridan dass er den jungen Thronfolger töten soll, um diese Zukunft zu verhindern. Doch kurz vor der Tat bekommt Sheridan Zweifel und hegt die Hoffnung ihn auch irgendwie anders von dieser Tat abbringen zu können. Auch diese Episode ist stinkendlangweilig und wieder absolut minimalistisch ausgestattet, ständig sehen wir nur leere Räume oder schlechte Computeranimationen.

Straczynski sollte lieber versuchen eine zweite Babylon 5 Serie auf die Beine zu stellen, statt die Fans mit solchen schrecklichen episodenhaften  Fortsetzungen zu vergraulen. Babylon 5 hat vor allem deswegen so gut funktioniert, weil hinter dem ganzen von Anfang an ein vierjähriges Konzept steckte, dass nach dem großen Erfolg noch um ein Jahr erweitert wurde. Aber so planlose Einzelfolgen, die sich nicht in ein großes Ganzes einordnen lassen können weder begeistern noch interessieren.

Billy Cristal &Komödie &Meg Ryan &Romanze Benjamin on 05 Okt 2007

Harry und Sally (Rob Reiner, USA 1989)

Die meisten Hollywoodromanzen sind doch eher klischeehafte, stereotype Geschichten ohne viel Herz, selbst wenn sie noch so sehr durch gezielte Effekte Romantik heraufbeschwören. Selbst wenn man sie gut findet, wie ich z.B. Notting Hill, dann kann man sie doch irgendwo in dieses Schema einordnen.

Harry und Sally ist da anders. Die beiden lernen sich nach dem Collegeabschluss auf einer Autofahrt nach New York kennen, wo sie darüber reden, dass nach Harrys Meinung Männer und Frauen nie Freunde sein können, weil immer das sexuelle zwischen ihnen stehen würde, und jeder Mann gerne mit der Frau mit der er befreundet ist schlafen würde, und er sie, auch wenn es eine platonische Freundschaft ist, nie rein platonisch sehen kann, sondern er mit ihr schlafen würde, wenn es sich ergeben würde.
Danach verlieren die beiden sich aus den Augen, bis sie sich ein paar Jahre wieder treffen und trotz ihrer damligen Schwierigkeiten anfreunden und schließlich sogar die besten Freunde werden. Beide stecken in Beziehungen, sind kurz vorm heiraten, und nach jeder Krise ist der eine für den anderen da. Doch schließlich zeigt sich, dass Harrys Theorie sich bewahrheiten muss…

Die beiden Hauptdarsteller Billy Crystal und Meg Ryan ergänzen sich prächtig. Das Drehbuch liefert ihnen tolle Dialoge und bietet einiges an recht subtiler Situationskomik die sich einem manchmal auch erst zwei Sekunden später erschließt. Auch wenn der Film sehr kritisch mit Beziehungen und deren Problemen umgeht, so zeigt er doch, dass diese Probleme es wert sind, gemeistert zu werden, wenn zwei Menschen sich wirklich gefunden haben. Eine sehr unterhaltsame Liebeskomödie, mit einer legendären Szene, die später in Spaceballs parodiert wird.

Abenteuerfilm &Humhrey Bogart &John Huston Benjamin on 05 Okt 2007

Der Schatz der Sierra Madre (John Huston, USA 1947)

Ein weiterer Filmklassiker, der sich in die Reiher meiner gesehenen Filme einordnet. Wer den Film nicht kennt, kennt die Handlung mit Sicherheit aus einer Simpsons oder Eine schrecklich Nette Familie. Drei Taugenichtsse tun sich zusammen, um in den Bergen der Sierra Madre nach Gold zu suchen. Sie werden fündig und schürfen monatelang, bis sie meinen genug zu haben. Doch das Gold verändert sie. Sie beginnen sich gegenseitig zu mißtrauen, jeder hat Angst, dass der andere ihn um sein Gold bestehen oder gleich um die Ecke bringen will. Dazu kommen noch mexikanische Banditen und andere Abenteurer, die ihnen auf die Pelle rücken.

Der Film ist für die 40er Jahre Hollywoods, speziell die Nachrkiegsjahre recht untypisch. Zum ersten Mal konnte sich Huston gegen Warner durchsetzen und an Orignalschauplätzen in der staubtrockenen Wüste drehen, was die Leistungen der Darsteller realistischer werden lässt, wenn gleich man, wenn man diese Hintergrundinformation nicht hat, auch denken könnte, dass der Film im Studio gedreht wurde, viele der Szenen wirken so. Der Film hat eine eigentlich recht negatives Thema (Gier, Neid, Kapitalismus) und stellt dies auch sehr kritisch dar. Noch dazu hat er kein Happy End. Sowas sah man in diesen Jahren in Hollywood nicht oft.

Die darstellerischen Leistungen sind ausgezeichnet, allen voran Humphrey Bogart, der hier eine beeindruckende Charakterwandlung zeigt, die schließlich sogar im Wahnsinn mündet, aber auch die anderen Darsteller, etwa John Hustons Sohn Walter Huston und der alte Tim Holt überzeugen und passen perfekt zusammen.

Doch trotz dieser guten Elemente fehlt dem Film ein wenig herz. Er wirkt so staubtrocken wie die Wüste, in der er gedreht wurde, der Inszenierung fehlt irgendwie der richtige Pepp. Die ersten 30 Minuten in der sich die drei finden ziehen sich wirklich ganz schön und könnten zum Ausschalten verleiten. Danach wirds deutlich besser, acuh wenn man ständig das Gefühl hat, das alles schonmal gesehen zu haben. Hat man vermutlich auch, da zahlreiche der Figuren und Themen aus dem Film oft zitiert wurden, nicht nur in anderen Filmen sondern wie oben schon erwähnt auch in zahlreichen Serien. Dem Film fehlen für mich so ein wenig die Magic moments, die eindrucksvollen  Szenen, die einem im Gedächtnis bleiben und die aus einer sonst schon guten Handlung und Inszenierung noch herausstechen.

So bleibt unterm Strich ein hervorragender, zeitloser Klassiker, dem nur eine klitze kleine Kleinigkeit zum Meisterwerk gefehlt hat.

Uncategorized Benjamin on 05 Okt 2007

I, Robot (Alex Proyas, USA 2004)

Ein klasse Film. Blockbuster mit einer einigermaßen intelligenten Story sind heutzutage selten. Gut, ich kenne viele, die anführen, dass man aus der Geschichte viel mehr hätte machen können und der Film immer noch sehr unterhaltsam gewesen wäre, wenn man zugunsten von mehr Story auf einige Actionszenen verzichtet hätte, aber ich finde das Resultat kann sich trotzdem sehen lassen.

Die Robots sehen ganz gut animiert aus, aber die restlichen Animationen wirken recht billig gemacht und nicht wirklich zeitgemäß, da ging 2004 schon deutlich mehr.

Das faszinierende an I, Robot ist, dass die Geschichte zwar Fiktion ist, aber eine Fiktion die durchaus in unser aller Lebensspanne noch Realität werden könnte. So ein Robot als Hausdiener zu haben ist zwar schon recht praktisch, aber die Gefahr, wenn man zu viel seiner Selbstständigkeit aus der Hand gibt ist doch recht groß, gerade wenn es eben kein Toaster oder elektrischer Dosenöffner.

Zur durchaus interessanten Story möchte ich gar nicht so viel schreiben, da ich hier nicht viel vorweg nehmen möchte. Daher kann ich abschließend nur sagen, dass jeder, der gerne Science Fiktionen Filme sieht die zukünftige Gesellschaftsformen zeigen, und wer Will Smith mag, sich diesen Film ankucken sollte.

Historienfilm &Monumentalfilm Benjamin on 05 Okt 2007

Der Untergang des Römischen Reiches (Anthony Mann, USA 1964)

Caesar Marc Aurelius befindet sich auf dem Schlachtfeld im Norden des Reiches Gegen die Germanen. Er ist seinem Ende nahe und bittet den Soldaten Livius sein Erbe anstelle seines Sohn Commodus anzutreten. Livius fühlt sich unwohl mit dieser Bürde, doch bevor der Caesar seine Entscheidung bekannt geben kann, wird er ermordet. So tritt der ungeeignete Commodus sein Amt an und aus den einstigen Freunden Commodus und Livius werden erbitterte Feinde, die am Schluss des Filmes in einer Arena gegeneinander kämpfen…

Na, klingelts? Wer hätte gedacht, dass der große Gladiator nur ein Remake ist. Man könnte jetzt auch anführen, dass dem Film nur die gleiche Geschichte zu Grunde liegt, aber die ähnlichkeiten sind dennoch auffallend ähnlich, wobei sich die Geschichte im zweiten Teil des Filmes doch etwas unterscheidet und bei Gladiator der Fokus viel mehr auf Maximus gelegt wird, als auf die politischen und militärischen Verstrickungen. Dennoch kann ich nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen.
Wirklich beeindruckend an Der Untergang des Römischen Reiches sind die kolossalen Massenszenen. Jugendliche, die mit heutigen CGI-Szenen groß geworden sind, werden kaum glauben können, wie solche Szenen ohne Computertechnik realisiert werden können, man ist schier sprachlos wenn man diese unendlichen Herrscharen von Menschenmassen sieht, die da am Horizont aufmarschieren oder sich ins Schlachtgetümmel stürzen. Auch die niedrige Schrittfrequenz in den Schlachtszenen sorgt für dieses beeindruckende Gefühl, da man dadurch ein Gefühl von Authentizität bekommt, man hat nicht das Gefühl, dass man mit Hilfe von Schnitten beschummelt wird.

Sehr schön, wie hier gezeigt wird, dass es auch für Herrscher nicht immer einfach ist, die eigenen Kinder des Glückes zu berauben und sie zwangzuvermählen.

Die Ermordnung Caesars wird hier sehr viel glaubhafter dargestellt als bei Gladiator, und die Stelle kam mir recht bekannt vor, wahrscheinlich hab ich den Film als Kind schonmal gesehen. Jedenfalls wird er hier vergiftet. Ein Apfel wird mit einer zweiseitigen Klinge durchschnitten, deren eine Seite mit einem Gift versehen ist, während die andere ungefährlich ist. So kann der Attentäter dem Caesar einen Apfel reichen, selbst von ihm essen, so dass kein Verdacht erregt wird.
Dieses Ersticken bei Gladiator ist natürlich nicht ganz so galant, dafür ist die gesamte Szene an sich deutlich intensiver, dichter und atmosphärischer und gibt schon erste Einblicke in Commodus bösartigen Charakter.

Geschichtlich ist dieser Film natürlich ebenso wenig korrekt wie Gladiator, man erfährt hier aber einiges mehr über die Geschichte des Commodus, der ja eine tatsächliche historische Persönlichkeit war. In Wirklichkeit ist er in dem Jahr in dem er Rom in Colonia felix Commodiana umbennante ermordet. Die Geschichte des Livius ist natürlich eben wie die das Maximus erfunden. Darstellerisch ist Gladiator DUdRR welten voraus meiner Meinung nach. Vor allem Christopher Plummer kann mit seiner Darstellung des Commodus der Leistung von Joaquin Phoenix nicht das Wasser reichen, wobei er im O-Ton auf jeden Fall düsterer wirkt, als in der deutschen Synchro. Aber vor Phoenix und seinem gespielten Wahnsinn hat man sich wirklich richtig gegruselt. Stephen Boyd macht seine Sache hingegen recht gut, ebenso wie Alec Guiness und die wie immer bezaubernde Sophie Loren. Wer auf Monumentalsandalenschinken steht, sollte dem Film auf jeden Fall Beachtung schenken, auch wenn der Titel täuscht. Es geht nicht wirklich um den Untergang des römischen Reiches, sondern um die Geschichte eines Mannes, aus dessen Taten heraus der Untergang beschleunigt wurde.

Uncategorized Benjamin on 04 Okt 2007

Science of Sleep – Anleitung zum Träumen (Michael Gondry, Frankreich 2006)

Nachdem Michael Gondry Eternal Sunshine On The Spottless Mind abgedreht und dafür hervorragendene Kritiken (u.a. auch von mir) geerntet hat, ist er wieder zurück nach Frankreich gekehrt und hat dort mit Science of Sleep einen Film gedreht, der, zumindest für mich, gänzlich in der Tradition von Amelie steht. Ein junger Graphiker hat sich als Kind schon Traumwelten gebaut und tut dies auch im Erwachsenenalter noch. Er stellt sich eine TV-Show vor, die in seinem Kopf spielt. Eines Tages zieht eine neue Nachbarin in sein Haus ein, und er beginnt sich mit ihr anzufreunden und verliebt sich in sie. Doch irgendwann beginnt er sich selbst zu mißtrauen und zweifelt, ob er sich ihre Liebe nicht nur eingeredet hat und entfernt sich schließlich von ihr.  Der Film verbindet viele Elemente miteinander, Fantasy, Stop-Motion-Technik, bizarre Traumwelten, Lebenlust, Romantik und versucht mit den Phantasiewelten des Hauptcharakters das Gefühl von Amelie zu transportieren. Aber Science of Sleep kommt nie an das Gefühl ran, dass Amelie auszustrahlen vermochte. Es ist eben kein warmer Sonnenschein, der ein wohliges Gefühl hinterlässt, sondern wirkt fast wie bizarrer Alptraum, schlimmer noch als einer von David Lynch, mit einer erschreckend kühlen und unsymphatischen digital Optik. Ich geb zu, dies war mal wieder eine halbherzige Nebenbeisichtung, aber der Reiz, den Film nocheinmal mit voller Aufmerksamkeit zu sehen ist recht gering.

Uncategorized Benjamin on 04 Okt 2007

Ferris macht blau (John Hughes, USA 1986)

Wer wie ich mit Parker Lewis – Der Coole von der Schule groß geworden ist, der muss Ferris macht blau einfach lieben, denn die Serie ist gewissermaßen dass Spin-Off zu diesem Film von John Hughes (abgesehen davon, dass es auch ein direkten Spin-Off der Produzenten von Ferris macht blau gab, der aber scheiterte).

Ferris ist der Liebling seiner Mitschüler und das Feindbild seiner Lehrer. Als er einen Tag blau macht sammeln seine Mitschüler sogar für den Fall das Ferris mal eine neue Niere braucht, getreu dem Motto “Save Ferris”. Doch sein Direktor ist wohl der einzige, den Ferris nicht täuschen kann. und er setzt alles daran, Ferris dingfest zu machen und macht sich dabei sogar strafbar.

Ich frage mich immer noch, wie Jennifer Grey es nach diesem Film geschafft hat die Hauptrolle für Dirty Dancing zu bekommen, abgesehen von Ferris Freundin sind sämtliche Rollen eher mit durchschnittlich aussehenden Schauspielern besetzt, die gerade durch dieses Durchschnittlichkeit hohes Identifikationsportal liefern. John Hughes beweist auch hier wieder, dass er die Jugendlichen versteht und liefert zusammen mit The Breakfast Club zwei der wohl besten Highschoolfilme überhaupt ab. Zudem ist die Komödie auch sehr unterhaltsam und saukomisch, allen voran der Direktor auf seiner Hatzt liefert einige gute, gelungene Slapstickszenen.

Ein Film, den man als Schüler unbedingt gesehen haben sollte, den man aber auch mögen kann, wenn man ihn noch nicht in seiner Jugend gesehen hat. Schade. dass Hughes nach gerade mal acht Filmen das Filmemachen aufgegeben hat und sich auf das Schreiben von mittelmäßigen Drehbüchern bzw. das Produzieren von durchschnittlichen Massenfilmen konzentriert hat.

Uncategorized Benjamin on 04 Okt 2007

Beim Sterben ist jeder der Erste (John Boorman, USA 1972)

Ein klasse Film den man wohl zurecht als zeitlosen Klassiker und kleines Meisterwerk bezeichnen kann. Vier Männer, Ed, Lewis, Bobby und Drew, machen sich auf zu einer Kanutour auf dem Chattooga River in Georgia. Einer typischer Männertrip, ohne Familie, der Mann gegen die Natur. Lewis ist gewissermaßen das Alphamännchen der Gruppe, der testosterongesteuerte Anführer, der die Natur zu kennen glaubt und ganz automatisch die Führung übernimmt. Die Fahrt beginnt ganz idyllisch, bald sind die ersten Stromschnellen und damit der erste Adrenalinschub uberwunden, die Männer sind voll in ihrem Element. Doch schon bald geschieht etwas unvorhergesehenes. WährendBobby und Ed Rast machen werden sie von zwei bewaffneten Hinterwäldlern aufgegabelt. Bobby wird vergewaltigt und kurz bevor Ed zum Oralsex gezwungen werden kann, trifft Lewis ein und erschießt mit seinem Sportbogen einen der Vergewaltiger, der andere kann fliehen.

Die Männer sind sich uneins, wie sie weiter vorgehen sollen. Die Leiche mitnehmen und dem Sheriff erzählen was passiert ist, und somit risikieren dass ihnen die Geschichte ewig anhängt und sie vielleicht sogar verurteilt werden. Oder die Leiche im Fluss versenken und das ganze vertuschen. Da das Gebiet in einigen Wochen zu einem Stausee umgewandelt werden soll, würde keine ernsthafte Gefahr bestehen, dass das ganze auffliegt. Drew spricht sich energisch dafür aus, dass ganze zu melden, während Lewis mit der ganze Sache nichts weiter zu tun haben möchte. Sie stimmen ab, und entscheiden sich, dass ganze zu vertuschen und ihre Reise fortzusetzen. Doch der weitere Verlauf entpuppt sich als Horrortrip, zwischen den Abgründen des eigenen Gewissens und der ständigen Gefahr, dass der zweite Hinterwäldler ihnen irgendwo auflauert …

Es ist wirklich ein klasse Film, der atmosphärisch sehr dicht ist, und einige ziemlich krasse Charakterwandlungen zeigt. Burt Reynolds karikatiert sich hier gewissermaßen selbst, wenn er sich vom Alphamännchen zum frommen, ängstlichen Lämmchen wandelt, und auch Eds Rolle wandelt sich im Film, von zurückhaltenden, ängstlichen Typen wird er zum Führer, der seine Aufgaben nur widerwillig annimmt, und der bei seiner Wandlung mehr verliert als er gewinnt.

Der Film schafft es eben nicht nur ein Männertrip zu sein, vielmehr wird er oft als sehr verstörend und traumatös bezeichnet. Die Männer machen im Verlauf ihrer Reise eine Wandlung durch, die zeigt, dass ihnen das Töten trotz ihrer Machosprüche sehr nahe geht, und dass ihnen in der Fremde und der Isolation der Arsch ganz schön auf Grundeis geht. Ein Film, wie es ihn vorher noch nicht gab, und wie es ihn hinterher auch nicht mehr gegeben hat, außer vielleicht in schlechten Nachahmungen, aber ansosnten ist er doch ein einzigartiges Werk, was ihn zu etwas besonderen macht. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

Der Film wurde übrigens, um Kosten zu sparen, ohne Versicherung gedreht, und die Stars haben alle ihre Stunts selbst gedreht. Wohl ein Grund warum einer der vier am Anfang des Films sagt, dass er noch nie versichert gewesen sei und nicht an Versicherungen glaube.  Im Jahr nach der Veröffentlichung des Films sind 33 Menschen ertrunken, als sie versucht haben, die im Film verfolgte Route nachzureisen.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

kostenloser Counter

kostenloser Counter