Uncategorized Benjamin on 20 Nov 2007 02:23 am
Free Rainer (, Deutschland 2007)
Das Thema des Films ist schon faszinierend. Moritz Bleibtreu spielt einen Fernsehproduzenten, der in der Vergangenheit mit dubiosen Reportagen Menschen ins Unglück gestürzt hat, so auch einen alten Sporttrainer, der sich nach einem fiktiven Dopingskandal erhängt hat. Seitdem hegt seine Nichte Hassgefühle gegen Bleibtreu. Nachdem sie versucht hat, ihn umzubringen, beginnt er aufzuwachen und ihm wird klar, dass er an der Volksverdummung beteiligt ist und versucht etwas zu ändern. Nachdem seine eher intellektueller angelegten Sendungen floppen und er sich weigert, andere Sendungen zu machen, schmeißt er hin.
Fortan beschäftigt ihn die Frage wie sich die Quoten überhaupt ergeben. Schließlich arbeitet er schon seit Jahren beim Fernsehen, aber kennt nicht mal jemanden der jemanden kennt der gehört hat dass er jemanden kennt dass er eine Quotenbox zu Hause stehen hat. Nachdem er ein Gerät geklaut hat und an eine Adressliste der Firma gelangt ist, die die Quoten ermittelt überprüft er die Boxen und muss leider feststellen, dass das Ermittlungsverfahren technisch einwandfrei ist und funktioniert, auch wenn ein einziger Haushalt stellvertretend für 15.000 andere ist.
So beschließen er und sein Team, die Leitungen anzuzapfen und so fortan die Quoten zu beeinflussen, um dem Trashfernsehen den Garaus zu machen und Qualitätsfernsehen zu etabliieren. Die Manipulation hat erfolg und die Sender reagieren. Umfragen in der Bevölkerung zeigen, dass die Mehrheit das neue Fernsehprogramm zu schätzen weiß und froh ist, nicht mehr mit dem Müll der Vergangenheit konfrontiert zu werden. Das Volk der Dichter und Denker erwacht wieder. Doch irgendwann muss die ganze Sachen auffliegen. Doch wie vorher schon dargestellt wurde, ist Fernsehen vor allem eine Sache der Gewöhnung und somit halten sich die guten Quoten der guten Sendungen auch ohne Manipulation.
Sicherlich ist die Geschichte einerseits faszinierend. Der Film ist eine bissige Mediensatire und klagt gleichzeitig auch ein wenig die Gesellschaft an. Gerade in der heutigen Medienlandschaft wirkt so eine Vision wirklich utopisch, wo die Spirale der Fernsehqualität doch weiterhin stark nach unten zeigt. Andererseits ist Bleitreu im Grunde das, was er den Fernsehproduzenten vorwirft: ein Faschist. Er ganz allein bzw. sein Team das aus einer handvoll Leute besteht, entscheiden, was 80 Mio. kucken müssen. Gewissermaßen auch eine Diktatur von oben und keine Revolution von oben. Aber seis drum. Am Anfang kommt der Film nur schwer in Fahrt und hält sich oft zu lange mit Nebensächlichkeiten auf, bzw. manche Szenen und Einstellungen dauern einfach viel zu lang, da wäre ein Schnitt fünf Sekunden früher auch schon mal angebracht. In der zweiten Hälfte gewinnt der Film dann kräftig an Fahrt und gewinnt deutlich an Qualität. Doch leider verhindert die Schwache erste Hälfte, dass der Film wirklich ein ganz großer wird. Bleibtreus Drogensucht und Exzentrismus am Anfang sind vollkommen überzogen und die Szenen im Krankenhaus viel zu lang, die Wandlung kommt irgendwie viel zu plötzlich. Auch der Zusammenbruch des Teams ist irgendwie da weil er da sein muss, wirkt aber absolut konstruiert und unmotiviert. Aber trotz dieser Schwächen bleibt Free Rainer ein absolut sehenswerter Film mit überzeugenden Schauspielern, auch wenn er ziemlich vorhersehbar ist. Die Darstellerin von Pegah hat ziemliche Ähnlichkeit mit Natalie Portman meiner Meinung nach.
Man kann viel schreiben zu dem Film. Zu seinen guten Aspekten und zu dem was eher mißlungen ist. Man kann ihn aber auch einfach selbst sehen, und sich danach fragen stellen.
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