Uncategorized Benjamin on 03 Dez 2007 03:15 am

Das Millionenspiel (Tom Toelle, Deutschland 1970)

Ein absolut visionäres Meisterwerk von Tom Toelle, das viele Entwicklungen des Fernsehens vorwegnahm, welche Anfang der 70er noch als Utopie erschienen.

“Das Millionenspiel” ist eine erfolgreiche TV-Show eines Privatsenders, in der ein einfacher Bürger eine Woche lang vor einem Team von Auftragskillern fliehen muss. Schafft er es, bekommt er eine Million Deutsche Mark, erledigen die Killer ihn, erhalten sie den Lohn. Neben den Killern sind 20 Kamerateams ständig dabei, den Gejagten zu verfolgen, um das ganze im Fernsehen zeigen zu können. Begleitet werden die Fernsehsendungen einem sehr jungen Dieter Thomas Heck, der die Show wie ein Sportereignis moderiert. Immer wieder werden Meinungen von Zuschauern gezeigt, die die Show teilweise sehr gut und spannend finden, teilweise aber auch verwerflich und abstoßend. Die Übertragungen werden immer wieder von Werbeeinblendungen unterbrochen. Die Zuschauer sind sogar aufgefordert, aktiv ins geschehen einzugreifen, in dem sie dem Verfolgten entweder helfen, oder ihm schaden.

Reality TV, Quotenjagd, Privatsender, Voyeursfernsehen, Werbeunterbrechungen, es ist echt erstaunlich wieviel hier in den Jugendjahren des Fernsehens vorweggenommen, manche Entwicklungen fanden in der Realität teilweise erst 30 Jahre später statt. Die Show wirkte damals so real, dass zahlreiche Menschen versuchten, sich für die Millionenjagd zu bewerben. Ziemlich perfide dass sich damals schon Menschen für so etwas hergegeben hätten. Mit dem Leben der Kandidaten spielen. So wie in diesem Film tun es die heutigen Medien zwar noch nicht, aber im Grunde kann man diesen Ausdruck dennoch anwenden, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Da der Film ursprünglich nur für eine einzige Ausstrahlung gedacht war, wurden auch keine weiteren Rechte gesichert, so dass er jahrzehntelang nicht gezeigt wurde, und erst in den letzten Jahren wieder vereinzelt im Fernsehen gezeigt wurde. Auf DVD wird es diesen Film wohl nie geben, da mit sämtlichen Personen die an diesem Film beteiligt waren Verträge abgeschlossen werden müssen, daher ist jedem Interessierten zu empfehlen, sich den Film einmal aufzuzeichnen, wenn er im Fernsehen läuft.  Ein absolute visionäres frühes deutsches Meisterwerk.

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