Uncategorized Benjamin on 04 Dez 2007 02:45 am

American Gangster (Ridley Scott, USA 2007)

American Gangster ist, soweit ich mich erinnere, das einzig größere, bedeutsame Filmepos 2007. Und in der Tat ist Ridley Scott wieder einmal ein Meisterwerk gelungen, dass es schafft 156 Minuten lang ohne große Actionszenen bestens zu unterhalten. Ein Mafiafilm im Stile von Scorseses Mafiaepen, und doch geht darüber hinaus. Wo die meisten Mafiafilme sich nur auf die Seite und Sichtweise der Verbrecher konzentrieren, da schafft American Gangster eine ambivalente Betrachtungsweise; in der Tradition von Heat zeigt der Film sowohl die Geschichte des ersten schwarzen Drogenbosses Frank Lucas (Denzel Washington), sowie seines Gegenspielers Richie Roberts (Russel Crowe), wobei man merkt, dass dieser Part erst nach der Zusage Crowes weiter ausgebaut wurde.

Überhaupt hat der Film eine recht turbulente Entstehungsgeschichte und sollte erstmals 2001 nach einem 2000 erschienenen Artikel über den bis daher eher unbekannten Frank Lucas von Antoine Fuqua verfilmt werden, doch das Projekt wurde aus Kostengründen kurz vor Drehstart 2004 gestoppt. Ebenfalls Brian de Palma und Terry George scheiterten an einer Umsetzung, so dass das Projekt endgültig begraben schien, bis schließlich Ridley Scott als Regisseur, Steven Zallian (Schindlers Liste, Gangs of New York, u.a.) als Drehbuchautor, Russel Crowe und erneut Denzel Washington, der schon von Anfang an für die Rolle des Frank Lucas vorgesehen war, für das Projekt gewonnen werden konnten. Für Washington hatte dies den netten Nebeneffekt, dass er für den ersten Versuch der Verfilmung 20 Mio US$ Gage bekam, und für die letztlich realisierte Version abermals 20 Mio US$ einstecken konnte.

 

Handwerklich ist der Film absolut perfekt. Inszenatorisch und kameratechnisch wird das New York der 70er Jahre absolut glaubhaft und dem damaligen Zeitgeist entsprechend eingefangen, hier merkt man sehr deutlich, dass erfahrene Profis am Werk waren. Die gesellschaftliche Festakte, die dreckige Polizeiarbeit, das Drogendealen in den Straßen, der Drogenanbau in Vietnam, alles ist sehr stimmig inszeniert.
Und auch die Geschichte hat’s in sich.

Frank Lucas war über 15 Jahre lang der Chaffeur des Mafiabosses Bumpy Johnson und hat in dieser Zeit viel vom Meister gelernt. Nach dessen Tod gelingt es Lucas sehr schnell Bumpys Position einzunehmen und noch auszubauen. Er benutzt Kontakte beim US-Militär um Drogen direkt aus Vietnam über die Hersteller zu importieren und spart so die Kosten für die zahlreichen Zwischenhändler, was zur Folge hat, dass er Stoff allerhöchster Qualität anbieten kann, ohne ihn strecken zu müssen, und das zur Hälfte des marktüblichen Preises.

Ihm gegenüber steht der Cop Richie Roberts, der paradoxerweise von seinen Kollegen misstrauisch beäugt wird, weil er der ehrlichste von ihnen ist. Beständig an das Gute glaubend, liefert er im Kofferraum gefundene Drogengeld im Wert von 1 Mio. US$ ab, statt sie einzusacken. Eigentlich das Richtige, aber im korrupten Polizeiapparat der 70er stößt er damit nur auf Unverständnis bei seinen Kollegen. Immerhin bringt ihm dies das Vertrauen seiner Vorgesetzten, so dass er damit beauftragt wird, eine Sonderkommission zur Ermittlung gegen den Drogenhandel zu begründen, und zwar eines, dessen Mitarbeiter nicht von den Drogenbaronen gekauft sind, um ungestört weiter ihre Geschäfte machen zu können. So kommt Roberts schließlich Lucas auf die Spur, der der Polizei bis dahin vollkommen unbekannt war, da er sich steht’s im Hintergrund gehalten hat.

Eine erstklassige Genregeschichte die zwar den gängigen Motiven entspricht aber allein schon dadurch heraussticht, dass sie auf einer realen Grundlage basiert und es Frank Lucas und Richie Roberts tatsächlich gegeben, kombiniert mit den zwei besten Schauspielern ihrer Generation

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