Uncategorized Benjamin on 20 Dez 2007 06:58 am

Tödliche Versprechen (David Cronenberg, Großbritannien/Kanada/USA 2007)

David Cronenbergs neuestes Werk ist mein persönliches Filmhighlight 2007. Eine erstklassige Millieustudie von Mafiastrukturen in London. Obwohl sie nicht so episch angelegt ist, wie Scotts Mafia Epos American Gangster hat mich dieser Film viel eher angesprochen. Das wird in erster Linie an den sehr interessanten Charakteren gelegen haben. Viggo Mortensen spielt als einsamer Streiter im großen Mafiadschungel wohl die beste Rolle, in der ich ihn jemals gesehen habe, Armin Müller-Stahl überzeugt voll und ganz als Mafiaoberhaupt und Familienvater, Naomi Watts spielt die gute Seele, die nicht anders kann als auf ihre Überzeugungen zu hören, ohne nervig oder klischeehaft zu wirken und auch der eher unbekannte Vincent Cassel überzeugt durchaus als verkappter Schwuler Sohn, der einfach nicht zu seinen Gefühlen stehen darf und dessen Konflikte sich in Agressionen und Trinkereien entladen. All diese Charaktere sind interessant und man nimmt an ihrem Schicksal anteil. Für Frauen dürfte gerade die Saunaszene interessant sein, in der Mortensen sprichwörtlich ums nackte Überleben kämpft, und man wirklich alles sieht!
Abschrecken dürfte dann aber die vereinzelt übertriebene Gewaltdarstellung. Wenn Mortensen eine Leiche präpariert dann muss nicht unbedingt zeigen wie er ihr die Finger abschneidet und vorher ist es auch nicht zwingend notwendig, dass man viel zu lange zeigt wie dem Opfer die Kehle durchgeschnitten wird. Durchgeschnitte Kehlen werden zwar mehr und mehr normal im blutigeren Actionkino, aber ich finde zumindest in dem Punkt hat Cronenberg es etwas übertrieben.

Gerade einmal 96 Minuten geht dieser Film und das ist auch gut so. Es gibt keine Längen, keine unnötigen Nebenhandlungen, wohl aber eine überraschende Erklärung. Vordergründig dreht sich die Geschichte um das Tagebuch eines jungen Mädchens, dass hochschwanger stirbt, das Baby kann aber gerettet werden. Da Watts unbedingt herausfinden möchte, wo das Baby nun hingehört, lässt sie ihren Onkel das Tagebuch übersetzen, in welchem aufgedeckt wird, dass sie in die Hände der Mafia in Form der männlichen Hauptdarsteller geraten ist und das Tagebuch dem Oberhaupt der Familie sehr gefährlich werden könnte. Aber es ist gar nicht mal so sehr das Worum bei diesem Film, es ist vielmehr die Art der Inszenierung, der Rhythmus des Films und das grandiose Spiel der Darsteller. Sie schaffen es keine einfachen Charaktere zu erschaffen, sondern plausible menschliche Charkatere. Grandios und trotz der vereinzelt sehr heftigen, kurzen Gewaltausbrüche absolut sehenswert und sicherlich der besten Thriller des Jahres.

One Response to “Tödliche Versprechen (David Cronenberg, Großbritannien/Kanada/USA 2007)”

  1. on 20 Dez 2007 at 10:18 1.Katha said …

    Hey, von der Nacktszene hast du mir nichts erzählt…ich glaub, ich a hab den Film unterschätzt. Aber hey, ab morgen kann ich auch mit meiner Unterschrift ins Kino ;)

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