Uncategorized Benjamin on 24 Dez 2007 03:20 am
Happy Feet (George Miller, USA 2006)
Erstaunlich, wie falsch man einen Film einschätzen kann. Bis au Shrek hab ich noch nicht viele gute Animationsfilme gesehen, die nicht aus dem Hause Pixar stammen, und nach der letzten Sichtung von Jagdfieber war ich auch nicht so scharf darauf mir andere Machwerke dieser Art anzuschauen.
Doch da meine Eltern sich den Film auf BluRay zugelegt haben, und ziemlich davon geschwärmt haben, habe ich ihn natürlich auch gesehen und ich muss sagen, dass ich zu tiefst beeindruckt war. Sowohl von den Möglichkeiten die BluRay optisch und soundtechnisch bietet, als auch vom Film selbst. Der Film ist nur vordergründig eine Animationsmusicalkomödie, unter der niedlichen Faszade steckt eine Geschichte mit relativ viel Tiefgang für einen Animationsfilm und mit teilweise sehr extremen Szenen. Die Verfolgung durch das Walross als Beispiel. Auch wenn die Szene hinterher durch flotte Gags wieder entspannt wird, so ist die Szene selbst doch sehr dramatisch und bedrohlich angelegt. So etwas kennt man aus Disney Streifen nicht.
Auch die Geschichte selbst, geht über die üblichen “Sei du selbst und steh zu dir”-Inhalte von Disney hinaus (wobei Ratatouille eine wirklich sehr subversive Kritik an der Fast-Food-Nation war) sondern beschäftigt sich auch konkret mit Problemen wie Umweltverschmutzung und Klimawandel und setzt in einer wie ich finde ziemlich genialen Sequenz am Ende den Menschen einen Spiegel vor und verändert die Sichtweise in eine ungewohnte Perspektive.
Witz und Humor und liebenswerte Charaktere kommen natürlich auch nicht zu kurz. Mumble ist ein junger Kaiserpinguin. Weil sein Vater einmal unachtsam war, und sein Ei der Kälte ausgesetzt hat, ist Mumble anders als die anderen Pinguine seiner Kolonie. Jeder von ihnen ist ein begnadeter Sänger und hat ein “Herzenslied” über das er auch seine Partnerin erwählt. Doch Mumble kann nicht singen. Statt dessen hat er den Rhythmus in den Füßen und ist ein begnadeter Stepptänzer, womit er in seiner Kolonie allerdings ein Außenseiter ist und Verstoßen wird. Er lernt eine andere Pinguinart kennen, die seine Künste absolut zu schätzen wissen und mit ihnen macht er sich auf die “Aliens” zu finden, die für den Rückgang der Fischerträge verantwortlich sein müssen, die seine Kolonie bedrohen. Für diesen Rückgang machen die Ältesten seiner eigenen Kolonie ihn selbst verantwortlich. So macht sich Mumble auf eine gefährliche Expedition auf.
Die Geschichte um Mumble selbst ist zu gleich eine herrliche Kritik an der amerikanischen religiösen Rechten und ihren Konformismus.
Ein absolut sehenswerter Streifen, der den Oscar für den besten Animationsfilm vollkommen zurecht bekommen hat. Wer kann, der möge ihn sich auf BluRay ansehen, da hier die Vorzüge dieser Technik voll zur Geltung kommen, ich habe noch nie so ein klares, tiefes, plastisches und reines Bild gesehen. Wer den Film noch nicht kennt, kann beim nächsten Gang in die Videothek beherzt zugreifen und auch für einen Videoabend mit Freunden ist der Film absolut geeignet.
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