Uncategorized Benjamin on 18 Jan 2008 08:00 am

Drachenläufer (Marc Forster, USA 2007)

Es wirkt fast ein wenig unwirklich, was wir am Anfang des Films zu sehen bekommen. Kabul, die Hauptstadt Afghanistans als eine asiatische Metropole, ein Ort des Frieden und Wohlstands. Mit klarem Bezug zu alten Traditionen und den klassischen Märkten und Basaren, aber auch ein Ort des Fortschritts, wo die Männer Anzüge tragen, man einen Fernseher zu Hause stehen hat, und “Die glorreichen Sieben” im Kino läuft, irgendwo gefangen zwischen Tradition und Moderne. Hier wachsen Amir und und der Sohn des Dieners vom Vater Amirs, Hassan auf. Sie sind die besten Freunde und speziell Hassan würde für Amir “Dreck fressen” wenn es nötig wäre.

Die beiden sind begeisterte Drachenflieger, wobei Amir der Lenker ist und Hassan die geschnittenen Drachen erläuft. Die Welt der Jungen ist bis zum schicksalsträchtigen  Tag eines Drachenfliegerwettkampfs heil, der das Leben aller beteiligten Personen im Film verändert. Hassan wird von einem angehörigen einer anderen Religionsgruppe, Assef, aufgerieben und vergewaltigt. Amir beobachtet diese Tat, unternimmt aber nichts um Hassan zu helfen sondern flieht. Im folgenden zieht sich Hassan immer mehr zurück und Amir ist voll von Scham- und Schuldgefühlen. Sein Wut entlädt sich gegen Hassan, den er mit Früchten bewirft, aber nachdem dieser dabei passiv bleibt inszeniert Amir einen Diebstahl den er Hassan in die Schuhe schiebt. Zwar verzeiht Amirs Vater Baba Hassan den Diebstahl, den dieser sofort gesteht obwohl er ihn nicht begangen hat, doch Hassans Vater beschließt, dass sie die Familie, der sie über 40 Jahre lang gedient haben, verlassen müssen, um ihre Ehre zu wahren.

Kurze Zeit später maschieren die Russen in Afghanistan ein und Amir und sein Vater fliehen, zunächst nach Pakistan und schließlich nach Kalifornien, wo Amir studiert und schließlich Schriftsteller wird. Hier lernt Amir Soraya kennen, die Tochter eines ehamligen afghanischen Generals, der ebenfalls aus Afghanistan geflogen ist, welche er schließlich heiratet.

Doch im Jahr 2000 bekommt Amir einen Anruf von einem alten Freund seines Vaters, der schwer erkrankt ist, der ihn bittet nach Pakistan zu kommen, um ihn zu besuchen. Amir verbindet eine enge Bindung mit diesem Mann, da er es war, der ihn als Jungen zum Schreiben ermuntert hat, so dass er ihm auch sein erstes Buch gewidmet hat. Als Amir bei ihm ankommt eröffnet er Amir, dass dieser noch eine Aufgabe zu erledigen und etwas wieder gut zu machen hat. Hassan wurde von den Taliban ein Jahr zuvor erschossen, genau wie seine Frau. Sein Sohn aber hat überlebt und wurde von den Taliban verschleppt. Weiterhin erzählt er ihm, dass Hassan nicht Alis leiblicher Sohn war, sondern dass in Wahrheit sein Vater Baba mit einem Dienstmädchen geschlafen hat, und Hassan sein Bruder, und Hassans Sohn folglich sein Neffe ist. Amir hat von seinem Vater vor allem Ehrgefühl und Anstand gelernt, so dass er ohne lange zu zögern beschließt sich nach Afghanistan aufzumachen, um seinen Neffen zu finden und mit nach Amerika zu nehmen. Doch das Land, in das er reist und das einst seine Heimat gewesen war, erkennt er nicht mehr wieder …

Drachenläufer überzeugt nicht durch seine Stars oder Effekte oder sonstigen Schnickschnack sondern einzig und allein über seine Geschichte, die zugleich ein Spiegelbild der afghanischen Geschichte ist und uns vor Augen führt, dass Afghanistan einst ein blühendes Land war, mit Menschen voller Wärme und Zuversicht, das aber in den Wirrungen zahlreicher Kriege und diktatorischer Regime den Bach runter gegangen ist. Der Kontrast zwischen dem alten und dem aktuellen Afghanistan könnte nicht krasser sein. Man bekommt ein besseres Verständnis dafür, was gemeint ist wenn man im Fernsehen über Afghanistan und den Afghanen hört. Die anfänglichen Drachenwettkämpfe sind sehr gut inszeniert und auch Sinnbildlich für die Entwicklung Afghanistan. Sie stehen für Freiheit, Schwerelosigkeit und Unbekümmertheit und einst war der Himmel Kabul voll von Drachen. Heutzutage steigen keine Drachen mehr in Kabuls Himmel auf.

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