Uncategorized Benjamin on 19 Jan 2008 05:42 am
Der Nebel (Frank Darabont, USA 2007)
Stephen King Verfilmungen gibt es mittlerweile zahlreiche von unterschiedlichsten Regisseuren mit durchaus schwankender Qualität. Das liegt vor allem daran, dass Stephen King sehr freigiebig ist mit der Gewährung von Verfilmungsrechten, da er dieses Interesse in erster Linie als Lob für seine Arbeit sieht und er auch immer sehr gespannt auf das Ergebnis ist. Auch mit kuriosen Ideen kann man bei ihm landen, so gab es vor einiger Zeit einen Regisseur, der Carrie als Musical erneut verfilmen wollte. Obwohl King seine Zustimmung gab wurde das Projekt nie realisiert. Wahrscheinlich zu unser aller Glück.
Regisseur Frank Darabont wagt sich mit Der Nebel mittlerweile zum vierten Mal an eine Steven King Verfilmung. Neben dem eher unbekannten The Woman In The Room zeigte er sich auch für die hochkarätigen King-Leinwandversionen von The Green Mile und Die Verurteilen verantwortlich und hat damit gezeigt, dass er es meisterhaft versteht Kings Visionen auf die Leinwand zu bringen.
Der Nebel basiert auf einer Kurzgeschichte des Meisters des Horrors. David Drayton (Thomas Jane) ist zusammen mit seinem Sohn Billy (Nathan Gamble) in einem Supermarkt, als vom See her in minutenschnelle ein dichter Nebel aufzieht, der die gesamte Kleinstadt einhüllt und in dem man keine 10 Meter weit kucken kann. Nachdem ein Mann mit Blut im Gesicht in den Laden stürmt und behauptet von Monstern im Nebel angegriffen worden zu sein, beschließen die etwa 30 Leute im Supermarkt zunächst dort zu bleiben und abzuwarten was passiert, zumal der Kontakt zur Außenwelt abgerissen ist. Darabont fackelt nicht lange und befindet sich nach einer eigentlich nicht vorhandenen Einführung mitten im Geschehen.
Im Folgenden entwickelt sich die Bedrohung von zwei Seiten. Zum einen durch den Nebel und dem, was in ihm ist. Die Monster sind riesige, mysteriöse Insekten, die aus einer fremden Welt zu stammen scheinen und es nicht gezielt auf die Menschen abgesehen haben, was sie aber nicht davon abhält, über diese herzufallen, wenn sie ihren Beuteinstinkt wecken.
Zum anderen entsteht eine Bedrohung aus der Gruppe hinaus, was auch einen sehr interessanten Aspekt des Films ausmacht. Das Verhalten von Menschen in Extremsituationen. Die Szenerie erinnert sehr stark an eine Sequenz aus Hitchcocks Klassiker Die Vögel in der es eine sehr ähnliche Szene gibt, in eine Gruppe von Menschen in einem Restaurant zusammengepfercht ist und nicht heraus kann, weil draußen die Bedrohung für Leib und Leben in Form der Vögel auf sie wartet.
Hier ist es keine kurze Sequenz, der gesamte Film beschäftigt sich mit dieser Situation. Während Drayton die Situation sehr rational betrachtet sieht die religiös fanatische Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) die Ereignisse als Zeichen und Strafe Gottes für die Sünden der Menschheit. Zunächst findet sie wenig gehör, aber nach den ersten Toten und den ersten Angriffen der Insekten gegen den Supermarkt findet sie mehr und mehr gehör, so dass die Gruppe schließlich gespalten wird und sich die Mehrheit der Gruppe auf ihre Seite stellt.
Ihre fanatischen Lobpreisungen, Bibelzitate und Anklagen sind zum einen sehr nervig, sehr bald wünscht man sich als Zuschauer dass die gute Frau einfach ihren Mund hält und nachdem sie dass nicht tut und fortwährend weiter ihre fanatischen Weisheiten predigt wünscht man sich schließlich, dass sie einfach jemand erschießen möge, bevor sie größeres Unheil anrichtet.
Zum anderen führen sie dazu, dass genau dieses passiert. Von den drei im Laden befindlichen Soldaten erhängen sich zwei, da sie sich die Schuld für die Ereignisse geben, die scheinbar das Resultat eines militärischen Projektes sind, in dem das Tor zu einer anderen Dimension geöffnet wurde und das offensichtlich außer Kontrolle geraten ist. Nachdem der dritte Soldat davon berichtet hat sorgt Mrs. Carmody dafür, dass er von der Gruppe als Verantwortlicher erstochen wird und den Monstern ausgeliefert wird – die brutalste und schockierenste Szene im Film. Als Mrs. Carmody schließlich fordert, dass die Ungläubigen und zuerst Billy. Draytons Sohn, geopfert werden, werden die Zuschauer und die Gruppe endlich von ihr erlöst.
Erlösung ist schließlich auch das Motto des Finales des Films, welches hier nicht verraten werden soll, welches aber einschlägt wie eine Bombe und sehr stark von dem abweicht, was man von einem Hollywoodmainstreamfilm erwartet. Man fragt sich wie Darabont es geschafft hat, damit durch die zahlreichen Testvorführungen zu kommen, aber man kann froh sein, dass er es geschafft hat, da gerade das Ende und dessen Wirkung dafür sorgt, dass der Film lange im Gedächtnis bleiben wird.
Leider hat dieser Film auch einige deutliche Schwächen. Ein Film, der so sehr auf einen Ort und eine Personengruppe konzentriert ist, lebt von starken Charakteren die eine eigene Geschichte haben und intensiver betrachtet werden. Die meisten, teilweise durchaus interessanten Personen bleiben hier aber sehr blass und man erfährt zu wenig über sie.
Es ist natürlich gesamt gesehen fraglich, ob wirklich jede King Geschichte das Potential für solche Meisterwerke wie Darabonts vorherige Kingverfilmungen bietet, er macht aus Der Nebel aber sicher das beste und andere Regisseure hätte in diesem Szenario den Fokus vermutlich mehr auf die Bedrohung von außen gelegt, statt auf den aufkommenden Wahnsinn innerhalb der Gruppe. Somit liefert uns Darabont hier zwei kein drittes Meisterwerk ab, aber immerhin einen sehr gut funktionierenden Horrorfilm mit sozialkritischen Untertönen und einem verstörenden Ende dass den Zuschauer ähnlich perplex zurücklässt wie David Drayton.
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