Uncategorized Benjamin on 09 Sep 2008 10:42 pm
Django (Sergio Corbucci, Italien 1966)
Django ist ein weiterer Klassiker der mir lange entgangen ist, gestern habe ich diese Bildungslücke nun auch geschlossen. Oftmals wird Leones Dollar Trilogie als schmutziger Western, als Antiwestern bezeichnet, aber verglichen mit Django sind Leones Werke nahezu blütenrein, auch wenn Corbucci sich natürlich sehr offensichtlich beim Großmeister bedient.
Das wird schon in der erste Szene deutlich. Wir sehen einen dreckigen, heruntergekommenen Cowboy der, in einen dreckigen Poncho gehüllt, durch eine riesige Schlammwüste watet und einen Sarg hinter sich her zieht. Diese Szene wird während der gesamten Anfangstitel gezeigt und lässt ahnen, wie dieser Western wohl wird: schmutzig. Und das nicht nur bildlich. Die Westernstadt Tombstone ist keine schmucke Westernstadt wie wir sie aus den klassichen amerikanischen Western kennen, sondern ein heruntergekommenes Loch, deren Straßen voll von Schlamm sind. Die Stadt macht ihrem Namen alle Ehre und wirkt ziemlich heruntergekommen, viele Menschen leben hier nicht, lediglich in dem Saloon ist ein wenig Betrieb.
Aber auch der Rest des Films ist schmutzig und dubios. Einen wirklichen Helden gibt es nicht. Django ist mehr ein Antiheld, der aber nicht wie der Dude in Big Lewboski trotzdem sympathisch rüberkommt, sondern wirklich Anti ist. Rache und Habgier sind seine Triebfedern, Verrat ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, sinnloses Morden kein Problem. Da braucht es schon einen richtig üblen Bösewicht, damit Django wenigstens etwas positiv rüberkommt. Dieser ist dann schnell in Maj. Jackson gefunden. Der Bürgerkrieg ist zwar vorbei, aber Jackson herrscht mit Waffengewalt immer noch absolutistisch über die Stadt und erpresst von den Einwohnern Schutzgeld. Zu seinem Vergnügen schießt er relativ grundlos Mexikaner über den Haufen, die er vorher um sein Leben laufen lässt. Zusätzlich gibt es noch Gen. Hugo Rodriguez ein alter Bekannter von Django und der lokale Gegenspieler zu Maj. Jackson, was sich Django natürlich zunutze macht um die beiden gegeneinander auszuspielen, nur um dann selbst seinen “Freund” Rodriguez zu hintergehen.
Die Darstellung von Gewalt ist ebenfalls für einen Western extrem hart und schmutzig. Der eigentliche Gag des Films, der Inhalt des Sargs, wird leider viel zu früh enträtselt. Mit dem Maschinengewehr werden die Gegner desöfteren duzendweise niedergemäht, aber auch abgeschnittene Ohren, oder von Pferdehufen zertrümmerte Hände gehören zum Inventar des Films. Definitiv nichts für sanfte Gemüter.
Aber dennoch ein absolut sehenswerter Western, der im Gegenzug zu den Leoneklassikern und eignetlich fast allen Western völlig auf die Verwendung von beeindruckenden Totalen verzichtet und immer ganz nah am geschehen ist. Auch die Dialoge sind alle auf den Punkt und es werden wenig überflüssige Worte gesprochen. Dennoch schaffen die Bilder zusammen mit dem überaus gelungenen Soundtrack eine Atmosphäre zu erzeugen, die einen in ihren Bann zieht und es schafft den Western gelungen wirken zu lassen, obwohl er inhaltlich eher schwächelt. Die zahlreichen “Django”-Sequels die bis auf den Titel nichts mit dem Original zu tun haben, werde ich mir aber dennoch sparen =)
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