Uncategorized Benjamin on 17 Sep 2008 12:32 am
Wall-e (Andrew Stanton, USA 2008)
Nach nunmehr fast einem Jahr ist es an der Zeit die seinerzeit gestellt Frage zu beantworten: Kann Pixar das Meisterwerk Ratatouille noch einmal übertrumpfen? Die Antwort auf diese Frage lautet 2008: Nein. Nochmal toppen kann Pixar sich selbst nicht. Aber: Das Niveau kann locker gehalten und mit den kleinen Aufräumroboter Wall-e hat Pixar definitiv seinen bisher knuffigsten und liebenswertesten Charakter geschaffen. Seit nunmehr 700 Jahren verrichtet Wall-e seinen Dienst auf vollkommen zugemüllten Erde. Die Menschen haben den Planeten ebensolange verlassen, da sie den Planeten absolut heruntergewirtschaftet haben und es nahezu kein pflanzliches Leben mehr gibt. Einzig Kakerlaken haben es geschafft zu überleben, so das Hal Wall-e’s einziger Begleiter ist. In Laufe der Zeit hat Wall-e so etwas wie ein Bewußtsein entwickelt und nimmt sich selbst als Persönlichkeit wahr. Er sammelt lauter kleine Dinge, die er im Müll findet und die ihm interessant erscheinen und versorgt sich selbst mit Ersatzteilen. Durch den Film “Hello, Dolly” aus dem Jahr 1969 lernt er sogar was Liebe ist. Er sehnt sich nach jemanden an seiner Seite, in den er sich verlieben kann.
Wie es der Zufall so will landet ein Erkundungsschiff des Menschenkreuzers Axiom auf der Erde und entsendet Drohnen, die nach Zeichen von Leben suchen sollen, was eine Rückkehr der Menschheit zur Erde bedeuten würde. Eve ist eine solche Drohne, die zunächst versucht Wall-e zu zerstören, doch nachdem er sich als ungefährlich herausstellt, ignoriert sie ihn weitestgehend, während er sich hoffnungslos in das erste ihm ähnliche Wesen das ihm seit mehreren hundert Jahren begegnet verliebt. Und damit beginnt sein erstes großes Abenteuer das ihn schließlich sogar in die Weiten des Weltalls führen wird.
Man kann den Film auch als zusammengefügte Referenzen an nahezu alle großen Science Fiction Klassiker sehen. In zahlreichen Szenen gibt es Referenzen zu Filmen wie Star Wars, Alien, Blade Runner, 2001 – Odyssee im Weltraum, usw. usf., wobei Pixar natürlich auch auf sich selbst anspielt und man so zahlreiche Figuren oder Gegenstände aus älteren Pixarfilmen entdecken kann und sogar eine Mickey Mouse-Anspielung ist ganz verdeckt in einer Szene enthalten. Die Star Wars Referenzen machen sich übrigens am eindeutigsten in der Sprache der Roboter deutlich. Die alte Star Wars Trilogie hätte ohne das ständige Piepsen von R2D2 wohl nur halb so viel Charme gehabt und hier war der gleiche Mann für die Robotersprache zuständig. Das schafft irgendwie eine sehr vertraute Atmosphäre und Bindung zu den Figuren. Diese können selbst nur rudimentär sprechen und verständigen sich eigentlich hauptsächlich über diese Piepslaute so das der Film fast 30 Minuten ohne ein einziges gesprochenes Wort auskommt. Das erste ist dann übrigens sogar in der englischen Version ein deutsches
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Die erste Hälfte des Films zeigt uns sehr viel von der liebenswerten Art Wall-e’s und wie er sich in Eve verliebt, während die Story erst in der zweiten Hälfte wirklich in Schwung kommt, es dafür dann aber sehr temporeich zur Sache geht. Das entschuldigt ein wenig dafür, dass die Story selbst zwar durchaus kritische Untertöne hat, aber doch etwas zu dünn ist, und teilweise starke Plotholes aufweist und selbst als Satire nicht wirklich durchgehen kann, da hierfür dann doch ein wenig die Schärfe fehlt. Zwar werden die Menschen der Zukunft in kein gutes Licht gerückt, aber sind im Endeffekt doch ganz liebenswert und knuffig. Gezeigt wird eine Version der Zukunft in der ein großes Unternehmen buy n large es geschafft hat, die Menschen mit allem zu versorgen, sogar mit der Verwaltung. Sie sind dick, fett, liegen den ganzen Tag auf schwebenden Liegen und sprechen über Holoschirme mit anderen Menschen (man fragt sich worüber), ohne sich je selbst zu bewegen oder die Augen vom Schirm zu nehmen. Übermäßiger Konsum, Fettleibigkeit, Hang zur Konformität, Umweltverschmutzung und die Gefahr durch große multinationale Unternehmen und Globalisierung sind Themen, die hier angerissen werden, über allem erstrahlt aber Disneylike die Liebe, die dafür sorgt, dass Wall-e zum Unfreiwilligen Held und Retter der Menschheit wird. Und das ganze diesmal sogar, ohne das die Geschichte zu irgendeinem Zeitpunkt schnulzig oder übermäßig Klischeehaft wird. Im Gegenteil, die Liebesgeschichte ist natürlich mal wieder zentrales Motiv, hält sich aber dennoch sehr bedeckt im Hintergrund.
Alles in allem ist der Film nicht wirklich besser oder schlechter als Ratatoille, er ist nur ganz anders. Tricktechnisch natürlich wieder State of the Art und es wird schwer Disney im Februar 2009 den Oscar für den besten Animationsfilm wegzuschnappen. Madagascar 2 dürfte auf jeden Fall wenig Chancen haben. Die meisten anderen Animationsfilme sind einfach nur animierte Komödien ohne viel Herz und Charme. Doch gerade viel Herz und viel Charme sind das, was Ratatouille und Wall-e ausmacht, und davon versprühen beide ganz, ganz viel. Und bewahren sich nebenbei noch den ganzen Film hindurch einen herrlich subtilen Humor und teilen nicht das Schicksal der meisten Komödien, in der ersten Hälfte lustig und in der zweiten pseudodramatisch zu sein.
Wall-e enthält natürlich wieder eine ganz klare Empfehlung und ist wieder mal ein Vergnügen für die ganze Familie und dürfte jung und alt gleichermaßen unterhalten. In der Tat dürfte es mal wieder schwierig werden jemanden zu finden, dem dieser Film nicht gefällt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Pixar keinen Rückfall wie seinerzeit mit Cars erlaubt und uns der nächste Film 2009 wieder genau so begeistern kann, wie die letzten beiden Streifen. Up heißt der neue Film der in hoffentlich einem Jahr in die Kinos kommen wird.
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