Uncategorized Benjamin on 26 Sep 2008 01:49 am

Der General (Clyde Bruckman/Buster Keaton, USA 1927)

Sehr schade das dieser Film, der heutzutage, zu Recht, als der beste Film Keatons gilt, gleichzeitig auch das Ende seiner Karriere einläutete, die nur wenige Jahre dauerte. Die Geschichte des Eisenbahführeres Johnny Gray war der teuerste Film den Keaton bis dato gedreht hatte, das Budget betrug schwindelerregende 750.000 US$, floppte aber bei den Kritikern und an den Kinokassen, worauf die Studios Keatons bis dahin geltende uneingeschränkte kreative Freiheit einschränkten, was zum einen nichts brachte, da seine nächsten Filme nicht erfolgreicher wurden, und zum anderen dazu führte das Keaton spätestens in den 30ern in der Bedeutungslosigkeit und Alkoholsumpf versank.

Johnny Gray ist Lokführer zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges. Seine Angebetete erwartet jedoch, das er seine Tapferkeit beweist und sich der Armee anschließt. Er darf sich erst wieder bei ihr blicken lassen, wenn eine Unifrom trägt. Die Armee jedoch befindet, dass er als Eisenbahnführer seinem Land größere Dienste denn als Soldat erweisen kann und verweigert seine Rekrutierung. So darbt er ein Jahr dahin, bis seine andere große Liebe, seine Lokomotive “Der General” von Spionen des Nordens entführt. Mit an Bord ist außerdem noch Grays Angebetete, so dass er sich aus zweierlei Motiven auf die spektakuläre Verfolgung  seiner Lok macht, zunächst zu Fuß, später dann spannungsgeladen mit einer anderen Lokomotive. Im zweiten Teil des Films gelingt ihm als Spion dann die Rückeroberung des entführten Generals und verfolgt von den Nordstaatlern macht er sich auf den Weg heim, wo es an einer Brücke, die in einer spektakulären und bis dahint mit fast 50.000US$ teuersten je gedrehten Szene gesprengt wird, zur Schlacht zwischen Norden und Süden kommt, die dank Grays wagemutigen Einsatz im Erfolg des Südens endet.

Der General ist sicher DER Eisenbahnfilm schlechthin, an dem sich alle nachfolgenden Filme die sich Eisenbahnszenen bedienen messen lassen müssen, aber kaum einer dürfte es geschafft haben, da dieser Film ungefähr zu 80% in Lokomotiven spielt. Die kennen naturgemäß nur eine Richtung – nach vorn, was sich auch eins zu eins auf den Film überträgt. Die Dramaturgie entwickelt sich stringent und wird immer nach vorn getrieben. Der Plot ist simpel, aber er stellt nur das Gerüst dar für einen großartigen Film in dem jeder Gag nicht um des Gag Willens geschieht, sondern immer quasi logisch aus der Situation und den Figuren hinaus entsteht. Keaton gilt nicht zu unrecht als der stummste der Stummfilmdarsteller, er lacht nie, sein Gesicht strahlt immer eine stoische Ruhe aus, lediglich manchmal von ein wenig Überraschung unterbrochen,  selbst wenn er von einem Unglück ins nächste rast . Ich hab zwar schon ewig keinen Chaplin Film mehr gesehen, aber ich mir ziemlich sicher, dass mir die Keaton Filme deutlich besser gefallen werden, als die Chaplifilme. Keaton hat immer das richtige Tempo, das richtige Gespür für die Situation, die Mittel und die Einstellungen. Er verzichtete fast weitestgehend auf Tricks, jeder Stunt und jeder Gag im General mussten real funktionieren und umsetzbar sein. Und von diesen Stunts, bei denen er sich nie doublen ließ, gibt es wieder zahlreiche, und auch hier spielte er wie schon so oft, bewußt oder unbewußt, mit seinem Leben. Hier in einer relativ unspektakulären Szene am Anfang als er auf den Stangen der Räder der Lok sitzt. Hätte der Lokführer zu viel Gas gegeben und wären dadurch die Räder durchgedreht wäre Keaton auf der Stelle tot gewesen. Zum Glück hat alles geklappt und die Szene ist laut Keaton kein großer Gag, aber immerhin einen kleinen Schmunzler wert. Damals waren Schauspieler halt noch echte Abenteurer.

Der Film taucht immer wieder in Bestenlisten auf und auch in meinem Buch 1001 Filme die sie gesehen haben sollten [...] taucht er auf. Und das vollkommen zu recht, er ist defintiv einer der besten Stummfilme die je gedreht wurden und gleichzeitig neben Charlie Chaplins Goldrausch auch noch die einzige epische  Stummfilmkomödie. Keaton legte sehr viel Wert auf Authenzität und viele Kritiker sind der Meinung Keatons Darstellung des amerikanischen Bürgerkriegs sei die genauste und realistischste die je gezeit wurde, und übertreffe an Authenzität auch D.W. Grifftihs Werke und Vom Winde verweht. Definitiv ein Stummfilm der das Sehen mehr als Wert ist und den man auf jeden Fall gesehen haben und kennen sollte. Ein absolutes Meisterwerk von einem der größten Stummfilmdarsteller und Regisseure, der viel zu spät, aber immerhin noch zu Lebzeiten die gerechte Würdigung erhielt.

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