Monthly Archive for "Oktober 2008"



Uncategorized Benjamin on 01 Okt 2008

Schultze get the Blues (Michael Schorr, Deutschland 2003)

Da sage nochmal einer es gibt keine guten deutschen Filme. Schultze get the Blues ist eine absolute kleine Filmperle aus deutschen Landen und zählt defintiv zu meinen Lieblingsfilmen.

Er erzählt die  Geschichte von Schultze (absolut genial verköpert durch Horst Krause), der sein leben  lang in einem Salzbergwerk irgendwo in Sachsen-Anhalt gearbeitet hat und der Film setzt an dem Tag ein, an dem Schultze in Rente geht. Die Arbeit im Bergwerk war sicher nichts aufregendes, aber Schultze hatte immerhin eine Aufgabe, etwas womit er seinen Tag füllen konnte, er fühlte sich nützlich. Jetzt im Ruhestand und es macht sich ziemlich schnell ein öder Alltagstrott platt. Aufruhr kommt in sein Leben als der leidenschaftliche Akkordeon-Polka Spieler eines Abends im Radio eine ihm neue Musikart hört, den amerikanischen Cajun, eine sehr rhytmische, flotte und melodische Volksmusik aus dem Süden der USA. Eigentlich ist Schultze in Gedanken an seinen Vater der traditionellen Polka sehr verbunden, doch diese neue Melodie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Wann immer er “seine” Polka üben will, verfällt er ganz automatisch in die neue Melodie. Ein Besuch beim Arzt verschafft Erleichterung, da sein Arzt ihm bestätigt dass das Nicht-Polka spielen keine Krankheit ist und er rät ihm an sich dieser neuen Leidenschaft hinzugeben, um auch im Ruhestand noch Spass am Leben zu haben und neue Dinge kennenzulernen. Auf dem jährlichen Fest seines lokalen Musikvereins stößt seine neue Vorliebe jedoch auf Ablehnung,außer seinen Freunden wollen alle lieber die traditionelle Polka was Schultze ziemlich frustet. Anlässlich seines Geburtstages schickt ihn der Verein dennoch kurz darauf nach Louisianna, wo Schultze seinen Verein auf einem größeren amerikanischen Heimatfest vertreten soll. So beginnt Schultzes abenteuerliche Reise in die Südstaaten Amerikas. Ohne wirklich ein Wort Englisch zu können erlebt Schultze Land und Leute, erkundet auf einem Boot die Sümpfe der Gegend und macht allerlei interessante Bekanntschaften und lernt sogar eine Frau kennen. Und überall findet er Musikfreunde die ihn herzlich Aufnehmen.

Horst Krause als Schultze ist einfach genial. Man hat manchmal gar nicht den Eindruck einen Spielfilm zu sehen, sondern denkt eher eine Dokumentation zu sehen, so sehr geht er in seiner Rolle auf, die ohne viele Worte auskommt. Im ganzen Film spricht Schultze gefühlte 10 Sätze, die Hälfte davon sind englisches Gestammel. Aber das ist auch nicht nötig. Wenn Schultze aus Höflichkeit aufsteht, seinen Hut zieht und sich  kurz und knapp mit “Schultze” vorstellt, und dann nicht weiß ob er sich solange die Dame steht hinsetzen darf oder doch lieber stehen bleiben soll, hat das einen ganz eigenen Charme der einen sofort gefangen nimmt. Der Film zeigt dabei sehr gekonnt in der ersten Hälfte einen sehr tristen Alltag in einem unbedeutenden kleinen Ostdeutschen Kaff, hier ist der Film eine sehr lakonische, durchaus humorvolle Milleustudie ohne je albern zu sein, während er sich in der zweiten Hälfte zu einem herzerwärmenden Roadmovie wandelt, in dem man Schultze jede kleine Freude die er erlebt von Herzen gönnt. Ich persönlich finde mittlerweile die erste Hälfte stärker als die zweite, aber die beiden Filmteile bedingen sich gegenseitig. Ohne den starken ersten Teil, könnte man dem zweiten keine Bedeutung zumessen, aber erste Teil nur für sich alleine hätte auhc keine Wirkung. Ein absolut erstklassiges, stimmiges Werk, das allerdings sicher nicht die breite Masse ansprechen wird, sondern eher auf ein anspruchsvolles Publikum zugeschnitten ist, für dieser kleine, sehr ruhige, lakonische, am Ende tragische Film dann sicher ganz, ganz großes Kino ist.

Uncategorized Benjamin on 01 Okt 2008

Wu Ji – Die Reiter der Winde (Chen Kaige, China/Hongkong/USA 2005)

Wu Ji schickt sich an seinen großen Vorbildern wie Hero und Tiger & Dragon zu erzählen und versucht eine Geschichte epischen Ausmaßes zu erzählen über Sklaven die Rolle von großen Generälen schlüpfen, Göttern die Menschen die Unsterblichkeit versprechen mit der Einschränkung, dafür nie die große Liebe erfahren zu dürfen, und von machtbesessenen Politikern die Intrigen spinnen um die Macht zu erlangen, aber auch von mysteriösen fernen Ländern, deren Einwohner übermenschliche Kräfte haben und schneller als der Wind laufen können. Auch wenn der Film Freunde von Hero & Co sicher begeistern dürfte, da er viel der chinesischen Mythologie und den grandiosen Szenenbildern vorweisen kann, so ist die Geschichte doch zu sehr melodramatisch überladen und es gibt zu viele unerwartete erwartete Storywendungen und ganz insgesamt nicht so sehr packen da die Grundstory zwar relativ simpel ist, aber in zu viele Handlungsfäden aufgespalten ist und man sich manchmal mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn fragt, was eigentlich genau gerade auf der Leinwand abgeht. Dazu kommt noch das man den CGI Effekten oftmals ansieht dass hier das Budget Grenzen erreicht hat, was die ansonsten schön abgefilmten Bildfolgen leider unangenehm stört. Alles in allem ein Film den man zwar durchaus sehen kann, der aber an seinen eigenen Ansprüchen scheitert.

Uncategorized Benjamin on 01 Okt 2008

Belle de Jour – Schöne des Tages (Luis Buñuel, Frankreich/Italien 1967)

Auch der gute Bunuel wird älter. Seine “neueren” Filme sind immer noch provokativ und haben auch noch viele surreale Elemente, haben allerdings, zumindest im Falle von Belle de Jour einen Faden dem man ohne größere Probleme folgen kann.

Séverine Serizy ist die Frau des Arztes Pierre, doch sie nicht in der Lage sich ihm körperlich hinzugeben, da sie starke Phantasien aus dem BDSM Bereich hat, in dem insbesondere Erniedrigungen und Bondage eine Rolle spielen, die ihr Mann offensichtlich nicht teilt, oder sie nicht gewillt ist, sich ihm zu offenbaren. Daher beschließt sie eines Tages in einem gehobeneren Etablissement zu arbeiten, während ihr Mann arbeitet, also nur tagsüber, was ihr den “Künstler”namen Belle de Jour verpasst. Das geht solange gut, bis sich einer ihrer Kunden in sie verliebt, ihr nach einem Urlaub mit ihrem Mann eine Szene macht und beschließt, ihre Identität aufzudecken und sie bloß zu stellen. Aus Eifersucht schießt er auf ihren Mann, der dadurch zum Krüppel wird, stirbt allerdings selbst auch im Kugelhagel mit der Polizei.

Das ist natürlich noch nicht alles was passiert und auch die Zwischenhandlung ist deutlich ausgeprägter. Aber da dieser Film verschiedene Ebenen hat, ist die Handlung an sich nur schwer zu beschreiben. Viele Szenen sind eindeutig als Träume oder Wünsche Severines, wie etwa die Demütigungen die sie durch ihren Ehemann erleidet, aber auch das Ende des Films ist eindeutig eine Vision, oder alternativ ein sehr großer Zeitsprung. Auch bleibt die Frage ob sie überhaupt tatsächlich in dem Etablissement arbeitet, oder ob dies ebenfalls nur eine Wunschvorstellung ist. Die gesamte Handlung wird an einem Stück präsentiert und man kriegt visuell einen wirklich offensichtlichen Hinweis darauf, ob man sich gerade in der Phantasie oder in der Realität aufhält. Das muss der Zuschauer individuell am Inhalt des Gesehenen interpretieren. Ein Film, an dem man viel heruminterpretieren und deuten kann. Er wirkt erstaunlicherweise relativ zeitlos, obwohl er schon über 40 Jahre alt ist, wirkt er nicht wirklich altbacken, im Gegenteil.Ein zeitloser Klassiker. Hat mir sehr gut gefallen. Muss ich auch unbedingt nochmal gucken und näher aufschlüsseln und interpretieren. Ich mag solche Filme. Und Bunuels Filme haben mir bisher alle gefallen. Auch wenn sie teilweise mehr als Strange waren. Aber ich mag ja auch Lynch :-)

Uncategorized Benjamin on 01 Okt 2008

Blood Simple – Director’s Cut (Joel Coen, Großbritannien / USA 1984)

Gerade den nächsten bzw. ersten Coen nachgeschoben. Gefällt mir deutlich besser als Fargo. Das Erstlingswerk der Coens ist eine brilliante Homage an den Film Noir, düster, morbide und obwohl der schwarze Humor der späteren Filme hier noch weitestgehend fehlt bzw. sehr, sehr tief verborgen und sehr subtil ist, ist die Geschichte schon ähnlich abgedreht und unfreiwillig witzig. Der Film hat zu jeder Zeit das richtige Tempo und ist sehr stringent aufgebaut, was wohl auch an seinem recht begrenzten Budget lag. Ich kann auch voll und ganz verstehen das der eine Coen Bruder die gute Frances nach den Dreharbeiten geheiratet hat, sie sieht echt gut aus in dem Film. Alles in allem ein absolut überzeugender Debut Film, der schon deutlich die spätere Entwicklung der Coens vorweg nimmt. Von allen Filmen derjenige der am ehesten mit No Country For Old Men zu vergleichen ist, auch wenn natürlich insgesamt Welten zwischen den beiden Filmen legen. Aber auch wenn der Film ziemlich unbekannt ist, sollte man ihn, zumindest als Coen-Fan auf jeden Fall gesehen haben, auch wenn er Noir mäßig eher düster ist.

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