Uncategorized Benjamin on 29 Mrz 2009 10:05 pm
Der Seltsame Fall des Benjamin Button (David Fincher, USA 2008)
In meinen Augen ein archetypisches Hollywoodepos mit allem was ein solcher Film haben muss. Eine Interessante Geschichte, in imposanten Bildern erzählt, mit hervorragenden Schauspieler, einem epochalen Soundtrack und das ganze verteilt auf eine Länge von annähernd drei Stunden. Laut Spiegel Online soll es sich bei Benjamin Button um die größte Liebesgeschichte seit Titanic halten. Komischer Maßstab. Titanic war sicher einer der am besten inszenierten Katastrophenfilme aller Zeiten, die Liebesgeschichte allerdings war absolut unterirdisch, auch wenn sie natürlich einen nicht unerheblichen Teil zum Erfolg des Films beigetragen haben dürfte. Benjamin Button hat dabei einen sehr interessanten Ansatz: Ein Kind wird geboren. Es sieht aus wie ein Greis und ist medizinisch gesehen auch einer. Gicht, Rheuma, Grauen Star, verschrumpelt, das Kind scheint alle üblichen Alterserscheinungen aufzuweisen und wird von seinem Vater vor einem Altenheim ausgesetzt wo es liebevoll aufgenommen wird. Der Arzt gibt dem Kind keine Überlebenschance und so beschließt die Schwester des Heims sich bis zu seinem Tod um ihn zu kümmern. Sie als Afro-Amerikanerin hat im frühen 20. Jahrhundert ebenfalls mit Ablehnung auf Grund von anders sein als der Schnitt der Gesellschaft zu kämpfen und zusätzlich noch ein großes Herz. Doch das Kind möchte nicht wirklich sterben, es wird größer und älter, wobei sich sein Körper zunehmenden von den Alterserscheinungen zu erholen scheint. Und tatsächlich; Benjamin scheint immer jünger zu werden. Im Altenheim, wo er anfangs ja recht gut aufgehoben ist, lernt er die Nichte einer Mitbewohnerin kennen, zu der er ein sehr gutes Verhältnis entwickelt, die beiden sind auch ungefähr im gleichen Alter, auch wenn sie ihn natürlich für einen alten Opa hält. Doch die beiden werden ihr gegenseitiges Schicksal. Als er sie Jahre später wiedertrifft ist er zwar immer noch Rentner, sie jedoch eine junge heranwachsende Frau. Es entwickelt sich so etwas wie Liebe zwischen den beiden. Nicht wirklich Liebe, aber auch nicht nur Freundschaft. Doch dann zieht es Benjamin in die Welt hinaus. In einem relativ langgezogenen Mittelteil sieht man die Abenteuer Benjamins in der Welt, wo er zunächst als alter Mann auf einem Schiff anheuert, im Laufe der Jahre aber immer jünger wird. Irgendwann, als die beiden schlielich ungefähr im gleichen Alter sind, finden sie schließlich zueinander und werden glücklich und bekommen sogar ein Kind, doch Benjamin hat Angst, er möchte nicht, dass seine Frau eines Tages zwei Kinder erziehen muss. Ihre Tochter und ihn selbst…
Der Film ist sicher großartig, hat allerdings in der Mitte einige Längen, die dafür sorgen, dass er nicht als ganz großer Klassiker in die Filmgeschichte eingehen wird. Ich gehed davon aus, dass das Buch auf jeden Fall noch deutlich mehr hergeben dürte, als der Film. In Anbetracht der Tatsache, dass das Skript zum Film schon seit Jahrzehnten durch Hollywood geisterte und praktisch als unverfilmbar galt, muss man David Fincher ein großes Lob aussprechen. So einen Film hätte ich wahrlich nicht von ihm erwartet und hätte es nicht den ebenfalls großartigen Slumdog Millionär gegeben, hätte Benjamin Button sicher deutlich mehr Oscars eingeheimst als nur in den Nebenkategorien. Gerade Fincher hätte definitiv einen verdient, wenn auch eher für Fight Club als für Benjamin Button, aber dass er das Potential hat, wirklich oscarreife Filme zu drehen, hat er mit diesem Film bewiesen. Wirklich sehr schade, dass die Umsetzung der Nebenplots so genial gelungen ist, aber der große zentrale Plot, die Lovestory, nicht zu der Größe anwachsen kann, die dem Ausmaß dieses Films angemessen wäre und einen nie wirklich fesseln kann. Aber das ist nur eine subjektive Meinung, über Benjamin Button sollte sich defintiv jeder sein eigenes Urteil bilden.
5 von 5 Knöpfen
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