Uncategorized Benjamin on 05 Apr 2009 02:17 am

Dead Man Walking – Sein letzter Gang (Tim Robbins, USA/Großbritannien 1995)

Dead Man Walking dürfte ich das erste Mal bei seiner Erstaustrahlung im Fernsehen vor gut acht bis zehn Jahren gesehen haben. Er ist einer der ersten Filme die mich bewußt berührt haben. Und daher ist er mir sehr ans Herz gewachsen. Dead Man Walking ist in amerikansichen Gefängnissen der Ausdruck den Wärter benutzen, wenn der Todeskandidat seinen letzten Gang zur Hinrichtung geht. In dem Film “Dead Man Walking” spielt Sean Penn diesen Mann, Matthew Poncelet, der  nach dem Mord an einem jugendlichen Paar seit nunmehr sechs Jahren im Todestrakt sitzt, und dessen Hinrichtung kurz bevor steht. Er wendet sich an die Nonne Helen Prejean, gespielt von Susan Sarandon, damit diese dafür sorgt, dass er seine letzten rechtlichen Möglichkeiten in Anspruch nehmen kann. Prejean lernt Poncelet als einen rassistischen, aufbrausenden Mann kennen, der keinerlei Reue zeigt und die Schuld für seine Tat auf andere schiebt und auch beteuert bei dem Mord nur dabeigewesen, ihn aber nicht begangen zu haben.  Doch wirklich Zweifel an seiner Tat besteht nie.Die Thematik des Films ist durchaus heikel, zumal die Todesstrafe in den USA ungefähr so viele Befürworter wie Gegner haben dürfte. Tim Robbins schafft es einen Film zu machen, der ambivalent ist, und durchaus beide Positionen nahebringt, und dem Zuschauer nicht aufzwingt, ob er für oder gegen die Todesstrafe zu sein hat. Auch kommt er fast ohne jeden Kitsch, Pathos oder Gefühlsduselei aus. Die Schauspieler liefern hervorragenden Leistungen ab. Sean Penn zeigt in dieser relativ frühen Rolle einmal mehr, warum er als einer der besten Charakterdarsteller Hollywoods gilt. Sein Poncelet ist einfach niemand, mit dem man wirklich Mitleid haben kann, dafür ist er zu uneinsichtig, zu unmenschlich und zu sehr ein Arschloch. Aber dennoch stellt sich die Frage, ob so jemand die Todesstrafe verdient hat. Und ob es überhaupt Recht ist, Tod mit Tod zu vergelten. Zumal im Film die leider traurige Tatsache angesprochen wird, das in amerikanischen Todestrakten mehrheitlich schwarze und vor allem Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten sitzen. Susan Sarandon, Ehefrau von Regisseur Tim Robbins, wurde für ihre Darstellung der Schwester Prejean mit dem Oscar für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet. Prejean hat das erste Mal Kontakt zu einem zum Tode verurteilten, ist gar das erste Mal in einem Gefängnis und sehr überfordert mit der Situation. Sie weiß nicht, ob sie diesem Menschen beistehen soll oder nicht, ob und wie sie sich mit den Eltern der Opfer in Verbindung setzen soll und was überhaupt falsch und richtig ist. Sie zieht ihre Stärke aus ihrem Glauben und ihr Glaube bekräftigt sie in dem was sie tut, auch wenn sie von ihrer Umwelt nur wenig Verständnis bekommt, und auch die Eltern der Opfer nicht nachvollziehen können, wieso sie diesem Menschen beistand leistet.Obwohl ich durchaus sehr vielen Filmen eine Topbewertung geben würde, so zählt Dead Man Walking doch für mich zu einem meiner absoluten persönlichen Favoriten, dem ich als Film an sich nichtmal irgendeine letztlich nichtssagenden Topwertung geben würde, aber er hat mich sehr berührt und schafft das auch bei jeder erneuten Sichtung. Wenn der Film mal irgendwo auf einem dritten Programm im Nachtprogramm läuft, auf jeden Fall einschalten. Es lohnt sich. 

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