Uncategorized Benjamin on 05 Apr 2009 11:40 pm

Slumdog Millionär (Danny Boyle/Loveleen Tandan, Großbritannien/USA 2008)

Grandios. Mit Slumdog Millonär hat Danny Boyle einen der besten Hollywoodfilme der letzten Jahre geschaffen. Slumdog Millionaire erzählt die Geschichte des Slumjungen Jamal Malik, welcher in der indischen Ausgabe von “Wer wird Millionär” als erster überhaupt vor der 20.000.000 Rupienfrage steht. Doch der Moderator der Sendung Prem Kumar, ebenfalls ein ehemaliger Slumbewohner, der sich hochgearbeitet hat, glaubt nicht, dass ein Junge wie Jamal diese Antworten ohne zu betrügen wissen kann und lässt ihn daher vor der Sendung, in der Jamal die Millionenfrage beantworten soll, von der Polizei mitnehmen und verhören. Im Zuge des anfangs äußert brutal geführten Verhörs kann Jamal dem Inspektor glaubhaft erkläre, dass jede einzelne ihm gestellte Frage einen Bezug zu seiner Biographie hat, was es ihm ermöglichte, die Fragen korrekt zu beantworten.Diese Bezüge zu seinem Leben machen einen Großteil des Films aus. Chronologisch, episodenhaft haben wir Teil an Jamals bewegten Leben. Dabei zeigt uns Danny Boyle in atemberaubend phantastisch aussehenden Bildern die Millionenmetropole Mumbai (ehemals Bombai). Kombiniert mit einem mitreißenden und lange haftend bleibenden Soundtrack entstehen somit Eindrücke, die lange Zeit haften bleiben. Dabei ist der Film zugleich auch formal anspruchsvoll, da sich Boyle der doppelten Rückblendenstruktur bedient, die den Zuschauer anfangs etwas irritieren können, einen dann aber schnell mitreißen kann.Der Film sprüht nur so vor Lebendigkeit und Energie. Und doch ist die ganze konstruierte Handlung lediglich das Gerüst für die wahre Geschichte des Films: Jamals unnachgiebiger Suche nach seiner großen Liebe Latika. Eine Liebe, die lange Zeit nicht sein darf und immer wieder von äußeren Umständen verhindert wird und schließlich sogar von Jamals Bruder Salim verraten wird. Jamals einziger Beweggrund überhaupt bei “Wer wird Millionär” teilzunehmen ist die Tatsache, dass er weiß, dass Latika diese Sendung gerne sieht.

Und somit spitzt sich tatsächlich die ganze Geschichte in einem atemberaubend inszenierten Finale zu. Wenn man es schafft in den Film einzutauchen, was eigentlich nicht schwer fallen sollte, dann ist das Finale schon sehr elektrisierend. Jamal Malik ist ein Junge aus den Slums von Indien. Es gibt eine Milliarde Menschen in Indien die so sind wie er. Arm, mittellos, ohne jegliche Aussicht darauf diesem Schicksal je zu entkommen. Das ist auch der Grund warum “Wer wird Millionär” in Indien so dermaßen beliebt ist. Gerade in diesem Land bedeuten 20.000.000 Rupien (ca. 400.000€) die Chance den Slums, der Armut und dem Elend zu entkommen. Millionen Menschen versuchen Kandidat zu werden, und diese Chance zu ergreifen. Und jetzt steht einer von ihnen, Jamal Malik, unmittelbar vor dieser Chance. Und somit versammeln sich zur finalen Show überall im ganzen Land mehrere Millionen Menschen vor ihren Fernsehgeräten und fieber mit Jamal mit und gönnen ihm von Herzen den Erfolg. Besonders diese Szenen haben es geschafft, mir eine Gänsehaut einzujagen, zumal die gezeigten Versammlungen vor einem Fernseher natürlich allesamt an Stationen aus Jamals Leben bestehen.

Slumdog Millionär ist ein schillerndes Porträt Indiens. “Wer wird Millionär” war in meiner Wirtschaftsgeographievorlesung ein Beispiel für die Ausmaße und den Umfang der modernen Globalisierung. Und tatsächlich ist Globalisierung, wenn auch nur indirekt, ein Thema von Slumdog Millionär, meines Erachtens nach ist Slumdog Millionär allerdings der “globalisierteste Film” den ich kenne. Zum einen durch die globale Fernsehsendung, zum anderen wird auch eine typische negative Begleiterscheinung der Globalisierung deutlich. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Gewiss, für diese Erkenntnis brauch man keine Film, aber einen modernen Film über Indien zu drehen, ohne dieses Thema zu erwähnen wäre wenig glaubhaft. Und ist gleichzeitig auch ein Grund, weswegen der Film in Indien nicht gut angenommen wurde, und weswegen er nur wenig mit Bollywoodfilmen zu tun hat, und sich auch klar davon abgrenzt. Denn mit den Filmen der größten Filmindustri der Welt, Bollywood, werden nur schillernde Geschichte erzählt, die die Menschen aus ihrem Alltag reißen und ihnen eine nachträumenswerte Illusion vorspielen. Die Inder wollen des Elend, in dem sehr viele von ihnen Tag für Tag leben müssen nicht auch noch auf der Leinwand sehen. und genau dieses thematisiert Danny Boylein seinem Film und zeigt es zwar in schillernden, mitreißenden, aber dennoch schonungslosen Bildern.

Unter diesem Aspekt sind wohl auch die Bitten von Mercedes Benz und der indischen Variante von Coca  Cola zu sehen, die darum baten, ihre Logos aus dem Film zu streichen, da sie nicht mit dem Slum-Millieu in Verbindung gebracht werden wollen. Auch der ursprüngliche Geldgeber des Films, Warner Indepedent Pictures glaubte nicht so wirklich an den Erfolg des Film und zog Fox Searchlight Pictues mit an Bord, um sich die Kosten, und dementsprechend auch die Einnahmen des Films zu teilen. Hätten die Guten dem lieben Herrn Boyle mal etwas mehr vertrauen entgegen gebracht. Am Startwochenden lief der Film in nur 10 amerikanischen Kinos, spielte in diesen allerdings 360.000US$ ein. Bei den BAFTA-Awards konnte er als erster Film seit Schindlers Liste die drei Preise für Bester Film, Beste Regie und bestes Drehbuch abräumen, er jeden Golden Globe für den er nominiert war (vier Stück) und acht von neun möglichen Oscars bei der wichtigsten Preisverleihung der Welt. Bis zum heutigen Tag spielte der Film fast 300.000.000 US$ ein. Ein Segen, wenn man bedenkt dass kurzfristig zur Debatte stand, diesen Film nie auf einer Kinoleinwand zu zeigen, sondern ihn direkt als DVD auf den Markt zu bringen.

Und es ist defintiv ein Film den man wenn man kann im Kino sehen sollte, die Verbindung von mitreißender, bewegender Geschichte, großartiger, ins Mark gehender Filmmusik und atemberaubenden Bildern kann nur auf einer großen Filmleinwand seine ganze Wirkung entfalten. Ich bin mir relativ sicher, dass dieser Film einer meiner All Time Favorites werden wird. Unbedingt ansehen !

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