Lange schon hat mich kein Film mehr dazu hingerissen eine Rezension zu schreiben, die letzte stammt vom 11. Februar 2010. Hell hat es nun wieder geschafft. Dabei ist der Titel des Films bewußt doppeldeutig gewählt. Denn hell ist es in Hell tatsächlich. Die Sonne hat durch gewaltige Plasmastürme an Intensität gewonnen und sorgt tagsüber für gleißendes Licht, wovon auch der Zuschauer regelmäßig geblendet wird. Sie sorgt aber im wahrsten Sinne des Wortes auch für die Hölle auf Erden, denn die Zivilisation ist zu Grunde gegangen, die meisten Menschen sind ums Leben gekommen, die Wälder ausgedörrt und Wasser ist ein knappes Gut. Hell ist somit ein postapokalyptischer Genrefilm aus deutschen Landen. Das schreckt viele zunächst einmal ab – sollte es aber nicht. Schon in der Vergangenheit haben deutsche Regisseure wie Florian Henckel von Donnersmark mit Das Leben der Anderen gezeigt, das auch deutsche Regisseure sehr gute Filme machen können.
Hell Regisseur Tim Fehlbaum begeht dabei zum Glück nicht den Fehler das Szenario zu erklären. Anfangs beschreibt ein kurzer Einführungstext die Klimakatastrophe und zwischendurch bekommt der Zuschauer die Information das wohl die Sonne mit gewaltigen Sonneneruptionen einen großen Anteil hat – viel mehr erfährt man nicht.  Natürlich verbindet man ein derartiges Szenario zunächst mit klassischen Hollywoodfilmen, aber dennoch wirken die Bilder nie befremdlich – warum sollten solche Katastrophen auch immer nur im Amerika stattfinden. Die anfängliche Autobahn kann überall in Deutschland sein, die Tankstelle ist x-beliebig, nur den späteren Ort der Handlung kann man in Bayern verorten. Gerade die Tagaufnahmen sorgen für eine großartige Stimmung, durch Überbelichtungen und geschickt eingesetzte Effektfilter baut der Film sehr schnell Atmosphäre auf.

In der ersten Filmhälfte steht noch die Katastrophe selbst im Vordergrund bzw. eher der Versuch des Überlebens der drei Protagonisten Marie (Hannah Herzsprung), ihrem Freund Phillip (Lars Eidinger) und Maries Schwester Leonie (Lisa Vicari) die nach kurzer Zeit durch den zunächst wenig vertrauenswürdigen Mechaniker Tom (Stipe Erceg). In der zweiten Filmhälfte rückt die Katastrophe selbst in den Hintergrund und ihre tiefgreifenden Auswirkungen auf die menschliche Moral rücken in den Vordergrund. Im Kampf ums überleben ist sich jeder zunächst selbst der nächste, die einzige wirklich noch funktionierende Sozialstruktur ist die Familienbande. Das zeigt sich sowohl in der Beziehung Marie – Leonie als auch auf dem Hof von Elisabeth (Angela Winkler) – die Familie und deren überleben ist wichtiger als alles andere – eine in ihrer gezeigten Konsequenz zwar erschreckende, aber durchaus nachvollziehbare Erkenntnis.

Interessant an Hell sind dann auch in erster Linie die Protagonisten, wobei die Frauen den Männer hier eindeutig den Schneid abkaufen. Als das Quartett auf eine Falle reinfällt die ihnen ihre Vorräte und ihr Fortbewegungsmittel klaut wird Leonie entführt, worauf hin Marie sich zur Einzelkämpferin entwickelt, die das Heft selbst in die Hand nimmt. Auch Leonie selbst erweist sich im Film immer wieder als ziemlich kompromisslos,  für sie ist ihre Schwester das einzige was zählt.

Meine Gedanken zu dem Film sind recht wirr merke ich gerade. Es gibt einfach vieles an dem Film was interessant ist. Die gezeigten Bilder sind unglaublich atmosphärisch und funktionieren auch in dem deutschen Szenario absolut hervorragend. Die Motive der handelnden Personen sind im wesentliche alle nachvollziehbar und teilweise erschreckend. Anfangs wirkt der Film ein wenig ziellos. Man beobachtet das Quartett bei ihrer Suche nach Wasser und Benzin, weiß aber noch nicht so ganz wo der Film hinsteuert. In der zweiten Hälfte bekommt der Film dann eine klare Richtung: Die Bedrohung ist nicht mehr in erster Linie die Umwelt sondern der Mensch. Und das alles harmoniert wunderbar: Szenario, Handlung, Hauptdarsteller, Spannung, Drehbuch, Ende – das ergibt ein rundes Ganzes bei dem man hinterher als hollywoodgeschädigter gar nicht glauben mag, das eine deutsche Produktion in dem Genre funktioniert.  Wobei das Drehbuch sicher keinen Preis für Originalität gewinnen wird. Eine postapokalyptische Welt in der einzelne um ihr Überleben kämpfen und dabei von einer großen Gruppe bedroht werden ist nun wahrlich nicht neu. Aber hier sind es die Charaktere und die kleinen Details, die das ganze wiederum so gut und interessant machen. Außerdem lässt der Film hinterher durchaus Platz für Diskussionen über die Motive der Akteure von denen man zunächst angewidert und abgeschreckt ist, bei weiterem Nachdenken wird das ganze aber auf eine gewisse Art nachvollziehbar. Und sowas ist bei Filmen dieser Art dann doch eher selten. Dazu ist das Ende auch noch offen, was ich sehr mag. Nicht in der Art das man denkt es könnte einen zweiten Teil geben, sondern einfach in der Art, das sich der Zuschauer selber denken kann wie es mit den “!Helden” wohl weitergehen mag. Dem Zuschauer wird selbst etwas abverlangt. So etwas blitzt zwischendurch im Film auch immer mal wieder kurz auf, als bei einer Actionszene Marie ausrutscht und sich den Kopf anschlägt bleibt die Kamera auf ihr. Was sich oben auf der Straße selbst abspielt kann sich der Zuschauer selbst ausmalen. Das ist ganz große Klasse, wobei Regisseur Fehlbaum anfangs noch etwas zu vorsichtig in der Hinsicht ist. In der Tankstelle in der die drei auf Tom treffen, entdeckt Marie eine Schlafstätte und ist erschrocken, da sie Angst um ihre Schwester hat. Statt einfach nur die Schlafstätte zu zeigen, muss Marie dem Zuschauer noch verkünden das sie hier eine Schlafstätte entdeckt hat. Ohne diesen Satz wäre die Wirkung der Szene deutlich größer gewesen. Aber solche Kleinigkeiten seien dem 28 jährigen Regisseur verziehen, das Gesamtwerk weiß einfach zu überzeugen

Daher gibt es von mir nur die klare Empfehlung für Hell. Großartiges Genrekino aus deutschen Landen. Der Film macht sehr viel richtig, schwächelt nur selten. Schreckhaften Gemütern sei jedoch gesagt, das der Film zahlreiche spannende Momenten hat, in denen unsere Mädels den Film nur hinter vorgehaltener Hand schauen konnten – nicht weil das gesehen so ekelig oder irgendwas in der Art war, sondern weil es ziemlich häufig diese “Oh nein, gleich passiert was!” Momente gibt.  Von mir erhält der Film als eindeutig zwei Daumen nach oben.